Großes Herz und Kluger Kopf

Vor kurzem habe ich bei meiner Recherche zur Akademisierung der KindergartenpädagogInnen einen Kommentar gelesen der im groben Inhalt wiedergegeben folgendes besagte:

„Es ist mir lieber mein Kind wird von einem Menschen mit großem Herz und einer guten Portion Hausverstand als von einer Frau Doktor aus dem Elfenbeinturm betreut.“

Wir leben in einer Zeit in der wir nicht sicher sein können auf was wir unsere Kinder vorbereiten. Aber sie müssen vermutlich sehr schnell lernen (auch im Bereich „neue“ Informations- und Kommunikationstechnologien) und brauchen soziale Kompetenzen.

Mit einem großen Herzen und den altbekannten Spielen und Gesängen ist es dabei nicht getan. Ich sage dabei nicht, dass Akademisierung die Lösung zu allen Problemen ist. Aber sie löst zumindest eines: das geringe Einstiegsalter. Mit 14 Jahren sind die meisten jungen Frauen (und wenige junge Männer) nicht wirklich darauf vorbereitet auf was sie sich einlassen. Bei den meisten meines Jahrganges war die Meinung vorherrschend: Ich hab Matura und kann weiterstudieren und eine fertige Berufsausbildung, was will ich mehr. Damals hielten wir das alle für sehr Erwachsen. Denn im Gegensatz zu unseren Freunden und Freundinnen im Gymnasium konnten wir gleich nach der Schule zu arbeiten anfangen.

Die Ausbildung ist gut. Wir bekommen sehr viele Grundlagen im Didaktischen und Pädagogischen Bereich, wenige im Psychologischen. In der praktischen Arbeit kann uns so schnell niemand etwas vormachen. Die Arbeit im Kindergarten ist aber noch viel mehr als das: einfühlsame Kommunikation mit den Eltern, Auswahl von Themen nach Interesse der Kinder, Beobachtung, Beobachtungsprotokolle, wie sehe ich Probleme bei Kindern und was mache ich wenn ich welche sehe, Durchsetzung von Wünschen bei der Leitung, Zusammenarbeit mit KollegInnen bei Festen und viele Themen mehr sind Dinge die nicht alle behandelt werden können.

Natürlich kann nicht dies alles in einer Berufsbildenden höheren Schule untergebracht werden  – all das Wissen über Kinder und die Arbeit mit ihnen muss nämlich neben den anderen Schulfächern Platz finden.

Hier sehe ich einen der Vorteile einer Ausbildung nach der Schulpflicht: der Fokus.

Ein weiterer ist die bewusste Entscheidung. Ich entscheide mich nicht nur für eine Ausbildung plus Matura sondern „nur“ für eine Ausbildung.

Und last but not least: Theorie. Der theoretische Input könnte intensiver passieren und damit auch zur besseren Umsetzung in der Praxis führen.

Natürlich gibt es auch Dinge die dagegen sprechen. Um nur ein Beispiel zu bringen: die Praxis. Etwas das mich sehr selbstbewusst in die Arbeit gehen lies war die Praxis die ich im Rahmen meiner Schulzeit erleben durfte. Ich denke diese würde in einer eventuellen Akademisierung vermutlich zu kurz kommen.

Aber eine Anhebung auf das tertiäre Level würde auf jeden Fall eine längst überfällige Aufwertung des Berufsbildes bringen. Bis dahin bleiben wir Menschen mit großem Herz und einer gesunden Portion Hausverstand und nicht die Expertinnen für Kinder bis 6 Jahren – oder auch Menschen mit großem Herz UND klugem Kopf.

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