Die Nerven liegen blank.

Es war mein kürzester Tag. Ich genieße diesen Tag normal – obwohl ich in der Kernzeit da bin und alles stressige mitmache, gehe ich meist mit dem Gefühl hinaus, noch etwas vom Tag zu haben, reflektieren zu können und vielleicht sogar noch etwas mit denen die mir lieb sind zu unternehmen.

Heute. Nicht.

Ob es daran liegt, dass die Kinder im Moment wieder in einer lauten Phase sind in der sie wieder mehr Bewegung brauchen und zum einräumen gefühlte Ewigkeiten oder aber an mir und vielleicht einer Unausgeglichenheit, ist mir nicht klar.

Fakt ist: Die Gruppe leidet darunter. Alle 25 Kinder leiden darunter, dass es vielleicht die Hälfte nicht schafft in weniger als 15 Minuten ein zu räumen. Dass 7 Kinder ein Organ zu ihrer Verfügung haben von denen SängerInnen nur träumen können (wegen der Lautstärke nicht der Melodik). Dass 5 Kinder noch immer nicht schauen wo sie hin laufen und dadurch permanent Unfälle verursachen bei denen entweder sie oder andere Trost und manchmal ein Kühlpack brauchen. Dass 2 nicht verstehen wie sie sich verbal wehren können und ein Nein immer noch in Form von zwicken, kratzen oder schubsen artikulieren. Dass 3 Vorschulkinder um sich zu profilieren andere (jüngere) Kinder auslachen und ihnen Kritzi-Kratzi und Hosenmachen in hämischen Ton vorwerfen.

Denn all diese Aktionen benötigen sofortige Aufmerksamkeit. Wenn ich mich mit einem Kind unterhalte, dass es bitte nach vorne schauen soll während es läuft, tröste ich schon ein anderes, dass von einer Freundin geärgert wurde. Nebenbei rufen 2 Kinder meinen Namen ins Ohr weil jemand ihrer Meinung nach etwas getan hat was er oder sie nicht darf und sie erwarten von mir einen Richterspruch. Jeglicher Versuch, die Kinder zur Geduld zu ermahnnen wenn ich mich mit einem Kind unterhalten ist im Moment nutzlos.

Ich bin kein Fan des Richterspruchs. Mein Wunsch und mein ausgesprochenes Ziel ist es, dass die Kinder ihre Konflikte selbst lösen und sie darin bestärkt werden miteinander zu sprechen. Aber diese Überzeugung wird gaaaaaanz weit nach hinten geschoben wenn ich sehe wie zwei Kinder auf dem Duplo herumtrampeln und ein anderes in unserem Außenbereich mit einem Stein wirft – aus meinem ursprünglichen Wunsch wird das Kommando einräumen und aus dem Gespräch wird eine Ründe Vorwürfe wie es sein kann, dass die beiden so mit unseren Spielmaterialien umgehen die doch auch teuer sind. Im Anschluß daran folgt eine Konfiszierung des Steines und das abholen des Versprechens so etwas nie wieder zu machen weil es gefährlich ist. Vorbei ist die Suche nach Wünschen und dahinter liegenden Bedürfnissen der Kinder.

Meiner Kollegin geht es ähnlich. Sie hat etwas weniger Stunden als ich und etwas mehr Humor, was ich als die Gründe dafür sehe, dass sie die Arbeit zumeist entspannter sieht als ich.

Heute bin ich fertig. Nicht nur mit den Nerven sondern auch körperlich, mein Kopf und mein Rücken tun weh und ich frage mich die ganze Zeit: was kann ich ändern um wieder mehr Ruhe in die Gruppe zu bringen? Aber auch: Wie kann ich die Kinder in diesem Rahmen unterstützen ihre Potenziale zu entwickeln?

Dafür ist es wichtig zu beobachten und auch die Zeit zu haben reflektieren zu können und damit komme ich zur Kernaussage dieses Beitrags:

 

WIR BRAUCHEN MEHR ZEIT! Mehr Zeit für die Vorbereitung und ganz dringend für die Nachbereitung, Supervision, Selbstreflexion um solche Tage gut abschließen zu können.

Nachdem ich das los geworden bin freue ich mich über den Feiertag um meine Batterien wieder aufladen zu können und dann wieder voll neuem Elan für die Kinder da sein zu können. Denn alle Kinder gleichermaßen verdienen es gefördert und gefordert zu werden um ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können trotz der widrigen Umständen unter denen dies im Moment in unserer Stadt geschieht.

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