Doofe Werbung!

Ich sags gleich: Ich bin werbegeschädigt. Wenn jemand neben mir ein Taschentuch auspackt denke ich sofort: Oh it’s a feh! Und wenn der Wind meine Frisur zersaust ärgere ich micht, das ich nicht den 3-Wetter Taft verwendet habe.

Ich kann mich auch großartig aufregen über Werbung und dann noch mehr darüber, dass diese damit ihren Zweck erfüllt hat. Zum Beispiel die Familie Putz oder diese doofe neue Mömax Werbung…

Jetzt aber zum Thema. Vielleicht kennen Sie die schon, diese halb neue Werbung von Amazon. Die mit dem Kindergarten…nicht? Dann hier das Video dazu:

Hats Ihnen gefallen? Mir nicht!

Abgesehen davon dass der Gruppenraum sehr nett ausschaut. Sehr groß, sehr hell, schöne Möbel. Und das Betreuungsverhältnis erst! Die Gruppe scheint recht klein zu sein, unter 15 Kinder zwischen 3 und 6 mit 2 Betreuungspersonen – so weit, so unrealistisch.

Was mich also nicht so ärgert ist die absolute Verfälschung der tatsächlichen Situation in Kindergärten. Um so mehr ist es die realitätsgetreue Darstellung einiger Ideen, welche in unserer Gesellschaft überhand nehmen, die mich jedes Mal wieder dazu bringt meine Vorsätze Dinge entspannt zu sehen, verbunden mit einer Schimpftirade, über Bord zu werfen.

Zum einen ist es das Bild der Bezugsperson, in diesem Fall der Vater. Er gibt dem Kind keinen Tag um sich an die neue Situation zu gewöhnen und um selbst Strategien zu finden sich in die Gruppe einzufinden. Nein, er sieht das Kind scheint traurig und sofort muss er eingreifen. Wo bleibt da die Möglichkeit selbst Lösungskompetenzen zu entwickeln? Auch wir erfahren im Kindergarten oft den Druck der Eltern – sie wundern sich warum die Kinder den Stift noch nicht richtig halten und ihren Namen noch immer nicht schreiben können und übersehen komplett, dass das Kind noch in der Entwicklung von Grobmotorik und Raumgefühl steckt. Das Kind soll sich an ihre Regeln halten aber wenn es noch einräumen muss werden sie ungeduldig weil sie unbedingt noch einkaufen gehen wollen. Eigentlich kann sich das Kind die Schuhe schon alleine anziehen aber weil es lang genug den Fuß ins Gesicht der Mama streckt wird es wieder angezogen.

Gebt den Kindern Zeit! Wenn mal ein Kind, alleine oder gar nicht spielt heißt das nicht, dass es ihm schlecht gehen muss. Ich gebe den Kindern gerne Zeit; oft muss ich mich dazu selbst zurück nehmen da ich auch gerne Lösungen anbiete. Aber ich weiß das ich damit den Kindern die Möglichkeit nehme selbst Strategien zu entwickeln. Ja im stressigen Alltag funktioniert das nicht immer und auch ich ertappe mich hin und wieder dabei, dass ich dem Kind jetzt meine vorgefertigte Lösung präsentiert habe. Diese Lösung wird natürlich gern angenommen – es ist schnell und einfach. Aber damit nehme ich dem Kind Möglichkeiten und mache mir selbst mehr Arbeit weil dann immer vorgefertigte Lösungen erwartet werden. Dieses ungünstige Verhalten in der Werbung noch zu forcieren ist der eine Teil der mich fuxt.

Der zweite ist die Idealisierung des Konsums. Ja, was glauben sie denn was Amazon will, werden sie jetzt vermutlich denken. Aber aufregen darf ich mich trotzdem, wenn mir die Werbung suggeriert das ich mir mit einem Kostüm, welches mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nicht unter fairen Bedingungen, vielleicht auch noch von Kindern in Entwicklungsländern die damit helfen ihre Familien zu ernähren und ihre eigene Kindheit abgeben in einem Entwicklungsland produziert wurde, versandt durch Menschen die alles andere als fair entlohnt werden für ihre Verpackungsleistungen, Freunde kaufen kann.

Und ja: Freunde kaufen. Weil die mögen das Kind jetzt nicht weil es so klug oder tierlieb oder sanftmütig oder voller Bewegungsfreude ist – Nein. Das Kind wird gemocht weil sein Vater ihm ein Kostüm gekauft hat. Eines das nicht lang hält weil das Kind bald wieder heraus wachsen wird und eines dessen Erfolg nur so lang halten wird bis das nächste Kind mit dem nächst – cooleren Ding ankommt.

Aber jetzt hab ich mir das mal von der Seele geschrieben und werd beim nächsten mal wenn die Werbung kommt einfach wegschalten.

Bei mir in der Gruppe gibts auch ein Kind das gern verkleidet kommt – aber bei dem ist das was anderes 😉

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