Was für ein Scheiß.

Manchmal stoße ich bei meiner Recherche auf Artikel die mich sehr aufregen. Der folgende ist einer davon:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6521441/Jungs-von-heute-verweichlicht-und-verweiblicht.html

Am liebsten würd ich Ihn gar nicht teilen um so einen Blödsinn nicht weiter zu verbreiten aber es soll sich jede und jeder seine eigene Meinung bilden.

Meine Meinung steht im Titel. Es fällt mir schwer in Worte zu fassen warum. Wenn ich mich über den einen Punkt aufrege fällt mir schon der nächste ein.

Was mich aber am meisten stört ist die extreme schwarz weiß Malerei: Buben = wild; die Frauen die auf sie aufpassen = sanft, angepasst, geduldig und immer freundlich und gutmütig.

Aus meiner persönlichen Erfahrung gibt es genug Buben die in die Gruppe kommen und sich Aufmerksamkeit durch wilde Aktionen holen – aber genau so viele Mädchen. Es gibt genug Pädagoginnen die auf sie zugehen und ihnen ganz ruhig erklären, dass dies in der Gruppe nicht erwünscht ist – aber genau so genug die ihnen den Raum geben sich morgens aus zu toben.

Zu den erwähnten Prinzipien im Morgenkreis: „Hier werden noch einmal Prinzipien festgehalten: keine Gewalt, auch nicht gegen Sachen, keine kaputten Fensterscheiben und nicht immer dieses Geschrei. Dem kleinen Johannes kommt es vor, als sei seine Welt wie vernagelt. Überall Verbote und Ermahnungen, meist ganz sanft und weich.“

Ja das klingt nach meinen Regeln – aber ganz ehrlich lieber Herr Autor: Haben Sie schon einmal auf 25 Kinder in einem ziemlich beengtem Gruppenraum aufgepasst? Mit Eltern gesprochen die sich fragen wie ein Kratzer am Knie passieren hat können und ob wir nicht die Aufsichtspflicht verletzen? Sich mit Nachbarn ärgern müssen die sich wegen Nicht – Einhaltung der Mittagsruhe aufregen? Nein? Dann machen Sie das mal und dann reden wir weiter.

Meine Verbote sind außerdem nicht sanft und weich. Die sind ziemlich klar – und auch die Konsequenzen. Es gibt allerdings auch Räume zum ausleben der Bewegungsfreiheit und Spielplätze wo es mal lauter zugehen kann. Immer geht das nicht und ich finde es nicht schlecht auch etwas Rücksicht zu lernen. Das ist gut für Buben und für Mädchen.

Wenn ein Kind einen Panzer mitbringt dann frag ich mich was ihm oder ihr so gut am Krieg gefällt und wir reden darüber. Ich finde Krieg nämlich abscheulich und deshalb haben Symbole des Krieges in meiner Gruppe nichts verloren – vielleicht denken auch Sie mal darüber nach lieber Herr Autor.

Und dann noch folgender Teil: „Kleine und größere Jungen sind Handmenschen. Sie wollen die Dinge fühlen, kneten und biegen, sie wollen aus ihnen etwas entstehen lassen. Sie wollen, grob gesagt, die Welt fortwährend verändern und sich nicht dauernd still anpassen.“ – Wer nicht???? Würde ich in diesem Satz das Wort Jungen mit Menschen austauschen würde ich vollstens zustimmen. Auch ich war in der Schottergrube unterwegs, bin gesprungen, gelaufen, habe Häuser gebaut und mir dabei einige Schrammen zugezogen – wo sind heute die Plätze dafür? Wo kann ich Kinder hin lassen ohne das sich Anrainer aufregen oder Eltern Angst haben sie würden davon laufen?

Insgesamt kann ich nur mein Fazit aus dem Titel wiederholen und hoffen, dass der Autor in den 5 Jahren die der Artikel alt ist, ausgebrochen ist aus der schwarz – weiß Sichtweise seiner Welt.

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2 Gedanken zu “Was für ein Scheiß.

  1. Ich habe mir mal den Autor des Artikel genauer angesehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Bergmann_%28P%C3%A4dagoge%29 (Zufälligerweise ist er in Lemgo geboren, genauso wie ich. Jetzt schäme ich mich ein wenig ;)) Spaß beiseite, ich habe mich auch gewundert, dass gerade ein Erziehungswissenschaftler, der es doch eigentlich besser wissen müsste, solch einen Unsinn verzapft. Aber ich denke, dass vieles mit „Jahrgang 1944“ erklärbar ist. In einer anderen Zeit aufgewachsen zu sein, ist zwar keine Entschuldigung, erklärt wohl aber seine Sicht auf die Dinge. Wahrscheinlich gibt er nur das weiter, was er in seiner Kindheit selbst erlebt hat (vermeintlich typisch „männliches“ bzw. „weibliches“ Verhalten.) Was allerdings auch nicht für seine intellektuelle Weitsicht, über den Tellerrand hinauszublicken, spricht 😉

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