..vom Regenwurm auf der Straße

Stellen Sie sich vor….

Ein für Sie besonderer Mensch holt Sie von der Arbeit ab.

Sie freuen sich auf einen schönen, gemeinsamen Nachmittag zu zweit.

Am Ende Ihres Arbeitstages, sind Sie schon voller Vorfreude und Erwartung. Als Sie abgeholt werden, verfliegt jedoch Ihr Enthusiasmus. Ein vom Tag gezeichneter Mensch steht vor Ihnen, natürlich mit Handy am Ohr, da die stete Erreichbarkeit unseren Alltag mitgestaltet.

Nach einer kurzen und dürftigen Begrüßung, sind Sie angehalten, sich schnell anzuziehen. Immerhin haben Sie ja heute noch was schönes vor. Zeit, um von Ihrem Tag zu erzählen bleibt wenig, weil Sie in Ihrer Arbeit vermutlich sowieso nichts wirklich Relevantes geleistet haben. Nach einigen Minuten werden Sie aber plötzlich doch nach Ihrem bisherigen Tag gefragt und sollen sofort Rede und Antwort stehen. Ihr Bedürfnis danach, ist allerdings schon verflogen.

Sie setzen Ihre Reise in den naheliegenden Park fort. Geplant ist ein Picknick an Ihrem Lieblingsplatz. Viele Erinnerungen kreisen um diesen Ort.

Sie sitzen im Bus und blicken ganz bewusst auf die vorbeiziehende Straße.   Viele neue Eindrücke, Gesichter und Augenblicke, gilt es nun zu verarbeiten… Reden mit Ihrer Begleitung fällt schwer, da jene im Moment sämtlichen UserInnen auf Social Media Plattformen folgt. Abgesehen davon, ist die Busfahrt für sie/ihn sowieso nur verschwendete Zeit, also wird auch noch telefoniert, und die Chance auf ein persönliches Gespräch vergeht. 

Sie nehmen all das einfach so hin, weil der Hauch einer Vorfreude immer noch besteht. Dort angekommen ist endlich Zeit – Zeit, um sich zu unterhalten, sich zu sehen, sich zu freuen…. –

Eine Stunde lang lachen Sie gemeinsam und plaudern über Gott und die Welt. Danach wird es aber wirklich wieder Zeit. Immerhin gibt es bestimmt noch sehr viel Wichtiges zu tun.

Muss es! Sonst wäre doch mehr Raum für entspannte Momente mit lieben Menschen, oder?

Zum Glück ist unsere Persönlichkeit im Erwachsenenalter so weit entwickelt, dass wir solche Situationen bewältigen können. Wir stehen auf, wenn uns etwas nicht gefällt und sprechen aus was wir uns denken. Unsere Stimme hat Gehalt. Jene der Kinder, welche in ihrer Neugierde und Entwicklung eine stützende Hand brauchen,  wird weniger Bedeutung zugeschrieben.  Tag für Tag erlebe ich Eltern, die ihre Kinder hinter sich nachziehen, oder besser gesagt, zerren. In öffentlichen Verkehrsmittel, im Park, auf der Straße und auch in den Kindergärten beobachte ich öfters, so manch gestresste Bring,- beziehungsweise Abholszene.

Kinder haben zum Beispiel nach einem Tag im Kindergarten einiges zu verarbeiten und brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

Durch die Augen eines Kindes sieht die Welt ganz anders aus und es ist ungemein spannend… wenn man einfach mal zuhört.

Hören wir unseren Kindern wieder mehr zu. Lassen wir unseren Kindern Zeit. Stellen wir unsere, ach so wichtigen Termine mal hinten an. Beginnen wir die Kinder um uns herum zu sehen, ab dem Zeitpunkt wo wir sie abholen oder mit ihnen unterwegs sind. Nehmen wir uns ein paar Minuten, um vielleicht einen Regenwurm auf der Straße zu beobachten.

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