Wenns drängt dann muss es mal die kleine Schüssel sein.

Leute, es is was passiert. Ich hab das für einen Mythos gehalten aber ich hab es nun am eigenen Leib erfahren.

Bei uns mangelts grad an allen Ecken und Enden und deshalb bin ich am Nachmittag zumeist allein. Und einen schönen Tages, musste ich um 15:00 aufs Klo. Das letzte mal war ich um halb 2 weil da war noch jemand da – aber dann hab ich leider zuviel von meiner Zitronenlimonade getrunken. Ich weiß. Das war dumm von mir. Als Kindergartenpädagogin darf ich mir nicht erlauben genug zu trinken – weil dann muss ich auch oft austreten. Meine Blase ist einfach zu klein.

Auf jeden Fall fange ich mal eine Telefonkette an ob mich denn jemand ablösen kann. Stellt sich heraus ich hab auch noch ein schlechtes Timing weil vor wenigen Minuten die einzige Kollegin aus hatte, die andere ablösen könnte. Alle anderen sind nämlich auch allein in der Gruppe…

Was tun? Ich hab mir eins der Vorschulkinder geschnappt und es gebeten Schmiere zu stehen. Und dann hab ich mich aufs Kinderklo gesetzt.

Wie gesagt. Ich hatte den Mythos schon gehört, dass es in Kindergärten so wenig Personal gibt, das die Pädagogin aufs Klinderklo gehen muss. Ich hab es nicht geglaubt. Aber es ist so. Ich habe einen Zeugen. Das Vorschulkind.

Glücklicherweise ist keine Bezugsperson gekommen, weil ein wenig peinlich wäre mir das schon gewesen. Im nachhinein frage ich mich warum eigentlich?

Alle sollen es wissen: Ich war alleine in der Gruppe und niemand konnte mich ablösen damit ich kurz auf die Toilette gehen kann.

Und jetzt stellen Sie sich folgendes vor: Ein Kind schlägt sich eine Platzwunde und muss von der Rettung geholt werden. Bis die Rettung da ist, sind die Eltern noch nicht im Kindergarten und ich muss entscheiden: die restlichen Kinder mit einer Pädagogin alleine lassen (die dann vermutlich in etwa 30 Kinder alleine beaufsichtigt) oder ein verletztes Kind mit völlig Fremden mitfahren lassen.

Muss auch gar nicht so schlimm sein. Stellen Sie sich stattdessen folgendes vor: Ein Kind erbricht mitten in der Gruppe. Soll ich alles wegputzen damit die anderen nicht auch noch dazu brechen. Oder soll ich vielleicht dem vermutlich kranken Kind beim umziehen helfen und mich um es kümmern?

Oder: Ein Kind knöchelt um und muss kühltechnisch versorgt werden. Soll ich mit dem Kind am Arm alleine zum Gefrierfach gehen um die Coolpacks zu holen und die anderen Kinder allein lassen, oder soll ich alle Kinder zusammen fangen und dann mit allen gemeinsam in einen Bereich gehen in dem Kinder eigentlich nichts verloren haben?

Oder: Ein Kind macht sich vor dem Klo in die Hose und richtet eine Riesenüberschwemmung an. Soll ich mich um das Kind kümmern, soll ich die anderen Kinder beaufsichtigen oder soll ich lieber die Überschwemmung beseitigen damit die anderen Kinder auch wieder in Ruhe aufs Klo gehen können?

Hmm schwierige Fragen. Mit einigen dieser Überlegungen war ich schon konfrontiert und ganz ehrlich: Es ist Zeit, dass jemand die Verantwortung übernimmt. Es kann nicht sein, dass ich jeden Tag mein bestes gebe und wenn ich einmal daneben liege, dann bin ich eine schlechte Pädagogin, habe meine Aufsichtspflicht verletzt und bin schuld an der seelischen oder körperlichen Verletzung eines Kindes. NEIN! Die Rahmenbedingungen sind schuld.

Nehmt dem Personal den Druck! Und wenn ihn schon niemand nimmt dann entlohnt ihn wenigstens gerecht. Ganz ehrlich: es geht hier um die Gesundheit der Kinder. Ich versteh nicht, warum das nichts auslöst…

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Edit: Nach einem Hinweis auf Facebook ist es mir ein Bedürfniss hinzuzufügen, dass gerechte Entlohnung, die Aufsichtspflichtverletzungen nicht legitimiert. Ich hatte und habe die Hoffnung, dass über eine rege wertschätzende und verständnisvolle Diskussion über die Schwierigkeiten im elementarpädagogischen Bereich ein Umdenken ausgelöst wird. Eines das sowohl zu besserer (in meinen Augen gerechterer)  Entlohnung führt, aber auch (und das wäre mir wichtiger!) zu einem besseren Betreuungsverhältnis. Es geht mir um die Bedürfnisse von Kindern und den Forderungen der Gesellschaft – nicht primär darum, dass wir alle mehr Geld bekommen. Aber ich muss wohl auch akzeptieren, dass die Botschaft bei den LeserInnen entsteht. Schade fände ich es, wenn mir unterstellt wird ich wollte nicht das beste für die Elementarpädagogik sondern nur mehr Gehalt für mich.

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