Warum eigentlich?

Warum bin ich, warum sind wir, warum sind soo viele (vor allem) Frauen immer noch gerne im Kindergarten tätig?

Wenn ich mir meinen Gehaltszettel so anschaue, oder noch schlimmer den von meinen nicht so intensiv ausgebildeten Kolleginnen frage ich mich manchmal warum wir uns das antun. Die Diskussionen um die Anschaffung von qualitativ hochwertigen Einrichtungsgesgenständen und lautstärkehemmenden Materialien um den Kindern eine gute Lernatmosphäre zu bieten und die Lärmbeslastung für alle zu minimieren. Den ganzen bürokratischen Schmarrn, den sich niemand anschaut und der für die Kinder selbst und ihre Eltern nichts tut. Vor allem nicht im Vergleich zu einem einfühlsamen, wertschätzenden Entwicklungsgespräch auf das wir uns gut vorbereiten konnten.

Und dann denk ich an so Momente wie den von gestern: als ich mir nach dem Mittagessen ein wenig Zeit nehmen konnte um mit einem der introvertierteren Kinder am Zeichentisch ein wenig zum plaudern. Er zeichnete eine phantasievolle Geschichte über Regenbogenpiraten auf der Suche nach einer Schlange, einer Raubkatze und später, weil es dann schon Nacht ist, nach einer Fledermaus. In der Unterhaltung äußerte ich, dass ich auch gern auf diesem Schiff mitfahren würde auf der Suche nach den Tieren und schon malte er sich selbst, seine besten Freunde und mich dazu. Er  erklärte, wir würden bald abgeholt werden, uns außerdem, dass ich nur mitfahren darf weil ich selber immer noch ein bisschen Kind sei, weil ich noch so viel zeichnen würde. Es war für mich beeindruckend zu sehen und zu hören wie weit sich das Kin in den letzten Monaten sprachlich und kognitiv entwickelt hatte. Allerdings nicht nur durch meine Unterstützung sondern auch durch viel Engagement von zu hause und dann bin ich ein wenig stolz all das miterleben zu dürfen, auch das ich Hilfestellungen bieten konnte, für das Kind selbst, aber auch für die Eltern.

Gleichzeitig bieten mir solche Momenten soviel Raum für Selbstreflexion: Ist es richtig wie wir mit den Eigenheiten jenes oder eines anderen Kindes umgegangen sind? Was können wir noch tun um die vielen unterschiedlichen Bedürfnisse nach dem Mittagessen unter einen Hut zu bekommen?

Und wenn ich dann vor einem Scherbenhaufen sitze weil zum tausendsten Mal etwas zu Bruch gegangen ist und ich zum fünfundzwanzigsten Mal die Frage beantworte was ich da tue und ich nur mehr antworten kann: „Ich muss mich über die Scherben ärgern und ich weiß nicht ob ich jemals wieder diese Flecken hier raus krieg.“ und das auch noch in recht bissigem Ton – dann frage ich mich: Ist es das wert? Sollte ich mich nach einem Bürojob umschaun? Dann kommt eines der Kinder und sagst: „Du schaffst das. Weil du bist ein großer Fuchs und große Füchse schaffen alles.“ Und umarmt mich.

Dann weiß ich wieder: Es ist der beste Beruf der Welt. Wir brauchen nur etwas mehr Personal.

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Ein Gedanke zu “Warum eigentlich?

  1. Helga Kießling

    Ja, es ist der beste Beruf überhaupt. Leider mangelt es massiv an den Rahmenbedingungen. Ich kann nicht verstehen, wie wenig es den Verantwortlichen bedeutet, dass hier die Zukunft unseres Landes herañwächst. Und damit meine ich nicht an erster Stelle unsere Bezahlung, sondern eben Gruppengröße, Personalmangel, Ausstattung, Lärmschutz, immer mehr Bürokratie….

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