Das Recht auf unbeobachtetes Spiel

Ich finde dieses Recht extrem wichtig – wenn ich (am Anfang eines Kindergartenjahres im Vertrauensaufbau nicht ganz) unabsichtlich bei den Rollenspielen der Kinder in den versteckten Ecken mal so „lausche“ höre ich die besten Geschichten.

Erst vor kurzem durfte ich (unbeachtet) einen spannenden Dialog verfolgen: „Und im Spiel schneiden sie dir heute den Bauch auf.“ – „Ja und im Spiel ist dein Bauch schon so dick, dass du gar nicht mehr gehen kannst und du hast ganz schlimme Schmerzen.“  –  „Nein, das will ich nicht.“ – „Okay dann nur ein bisschen schlimme Schmerzen.“ –  „Gut und ich liege schon da und warte bis du mir den Bauch aufschneidest.“ Ich hab mich dann heimlich zurückgezogen um die Kinder nicht zu unterbrechen.

Ich bin mir sicher, dass dieser Dialog so nicht zustande gekommen wäre wenn die Kinder nicht einen Bereich gehabt hätten in dem sie wissen, dass ich sie auch einmal nicht störe – oder sie sich verstecken können und ich „bemerke“ sie dann gar nicht. Obwohl ich größten Wert darauf lege zu wissen welches Kind sich wo aufhält ist es mir genauso wichtig, dass den Kindern auch klar ist das sie das Recht haben unbeobachtet von mir oder anderen Erwachsenen zu spielen. In solchen (meistens) Rollenspielen verarbeiten die Kinder Erlebnisse oder Geschehnisse in kindlicher Art und Weise. Das kann ich ihnen in einem Gespräch nicht bieten.

Manchmal, wenn es ersichtlich ist, dass eine Gruppe von Kindern diese Intimität braucht, öffne ich ihnen einen Raum der nicht direkt zur Gruppe gehört  – aber nur weil die Kinder die Regeln dafür sehr gut kennen und akzeptieren und auch die Konsequenzen bei nicht einhaltung. Nämlich, dass ich ihnen dieses Nutzungsrecht dann nicht mehr gewähren kann. Verstehen sie mich nicht falsch – der Raum ist einsehbar und die Kinder sind weniger unbeobachtet als sie glauben aber genug um ihre ganz eigenen Spiele zu entwickeln und um die Gruppendynamik auch ohne erwachsene Eingriffe auszuloten (bis zu einem gewissen Rahmen).

Es ist spannend wenn ich drüber nachdenke, warum mir das so wichtig ist – ich glaub ein wenig weil ich das auch hatte als Kind. Wir hatten einen riesigen Außenbereich im Garten und es war immer die Möglichkeit sich auch mal zurück zu ziehen und fernab von den fragenden Blicken unserer Pädagogin zu spielen, sich aus zu machen wer der Bestimmer ist und das Recht auch mal lauter zu vertreten – ohne die prüfenden und fragenden Blicken unserer Pädagogin.

Deshalb: Lassen wir die Kinder wild und frech und wunderbar sein. Dabei müssen wir sie nicht immer fragend anschauen können auf was für verrückte Ideen sie schon wieder gekommen sind – die haben sie vermutlich sowieso irgendwann von uns abgeschaut.

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