Die Sache mit dem Entschuldigen..

Eine Geschichte:

Peter und Anni sind sehr gute Freunde und spielen schon den gesamten Vormittag friedlich zusammen in der Bauecke, als plötzlich Anni einen lauten Schrei von sich gibt. Ich registriere die lauten Stimmen, halte mich aber noch im Hintergrund, um zu beobachten. Peter hat scheinbar ein Stück Lego von Annis Bauwerk genommen. Für Anni selbstverständlich eine Katastrophe, immerhin hat sie viel Zeit, Geduld und Liebe in ihren Turm investiert. Ihrem Freund, scheint das jedoch nicht wirklich bewusst zu sein und er lässt sich von dem Getobe nicht irritieren. Diese Tatsache macht Anni immer wütender, sie sieht keinen Ausweg mehr und schmeißt ein Stück Lego auf Peter. Sie ist völlig außer sich und bricht in Tränen aus. Das ist wohl mein Stichwort.

Was tun in solch einer Situation?

Anni sagen, dass sie sich sofort entschuldigen soll? – So ein Angriff ist immerhin schwerwiegender als Peters Handlung.

Soll ich die beiden trennen? – Obwohl sie eigentlich den restlichen Tag gut miteinander ausgekommen sind

Oder soll ich doch ein Gespräch mit Peter führen und ihm nahelegen sich zu entschuldigen – ohne ihn wäre diese Situation nicht so eskaliert.

Eines ist ganz klar. Es ist nicht mein Streit. Ich kann die Gefühle und Emotionen in dieser Situation nur erahnen, aber nicht wissen. Für Anni hatte ihre Reaktion bestimmt ihre Berechtigung. Trotzdem gehört die Situation geklärt. Mittlerweile ist die Situation so festgefahren, dass sich keiner von beiden entschuldigen möchte.

Ganz ehrlich?! Ich kann es verstehen!

Die Bereitschaft sich gleich zu entschuldigen, haben auch wir Erwachsenen manchmal nicht. . Häufig höre ich von KollegInnen oder Eltern die Aufforderung: „So, und jetzt entschuldige dich sofort!“ Meiner Meinung nach, kann man das nicht sofort von einem Kind verlangen. Ich will damit nicht sagen, dass man den Streit unter den Tisch fallen lassen soll, oder so ein Verhalten untereinander in Ordnung ist. Ich denke nur, dass das nachkommen dieser Aufforderung in solch einem Moment keine ehrliche Handlung der Kinder ist. Auch Kinder sollen sich mit Konflikten auseinandersetzen und wenn sie sich nicht auf der Stelle entschuldigen können, dann ist das ihr Recht. Einige Kinder ´müssen vorher in irgendeiner Form Dampf ablassen, oder brauchen einen Moment für sich. Wichtig ist nur, dass man danach den Streit noch einmal aufrollt und gemeinsam bespricht.

Ich möchte mich allerdings nicht herausnehmen, auch ich habe Kinder schon aufgefordert sich jetzt auf der Stelle zu entschuldigen. Unser Tagesablauf ist durch manche Fixpunkte eng bemessen, dennoch achte ich seit einiger Zeit sehr stark darauf, dass die Kinder selbstständig an ihre Konflikte herangehen und räume der Lösungsfindung mehr Zeit ein. – beziehungsweise, versuche ich es. Da es uns jedoch nach wie vor in sozialen Systemen an Budget für Personal mangelt, fällt es schwer auf genau  so „kleine“ Dinge wie Konfliktlösung einzugehen. Um einem Kind tatsächlich für verschiedene Tätigkeiten oder Lösungsfindungen im Alltag seine Zeit zu geben, fehlt uns im Alltag oft eine dritte Hand. Die Gruppen werden immer voller, aber der Betreuungsschlüssel bleibt der gleiche. Und dann gibts da noch die tolle Regelung die besagt, dass die pädagogischen Assistenten nur mit einer Handvoll Kinder alleine sein dürfen… hm …. Das Thema mit den Ressourcen gibt mir ganz schön Rätsel auf, aber das ist eine andere Geschichte.

to be continued..

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