Zuviele Feste im Kindergarten?

Seit Beginn meiner Praxis hinterfrage ich immer wieder die entstandene Tradition Familienfeste auch im Kindergarten zu feiern. Geburtstage, Muttertag, Vatertag, Ostern, Weihnachten,… all diese Feste empfinde ich als wichtig und auch die Aufarbeitung der Themen und Werte die dahinter stecken im Kindergarten. Was ich nicht ganz verstehe ist die Vehemenz mit der diese Feste von KollegInnen und Bezugspersonen in den Kindergartenalltag getragen werden.

Nehmen wir den Geburtstag:

Manche Kinder mögen es nicht besonders im Mittelpunkt zu stehen und fühlen sich sichtlich unwohl wenn ihr Geburtstag gefeiert wird. Oft wird das respektiert, aber oft ist es auch so, dass das „normale“ Geburtstagsprogramm durchgezogen wird: Geburtstagskreis, Fragen, Glückwünsche, Kuchen, Geschenke,…

Oder Ostern:

Ein Fest, dass mir zuhause immer viel Freude bereitet hat; wir waren beim Osterfeuer haben am nächsten morgen gemeinsam Osternester gesucht, Osterschinken gegessen und die Zeit gemeinsam genossen. Im Kindergarten feiern manche Kinder mit die mit dieser Tradition gar nichts anfangen können – sei es aufgrund des unterschiedlichen Glaubens oder weil ihre Eltern auf diese Feste verzichten.

 

Ich finde es schön wenn einem Kind zu seinem Geburtstag gratuliert wird und wenn ich merke es ist dem Kind wichtig würde ich ihm oder ihr auch den Morgenkreis widmen, aber dieses Kuchen mitbringen, mit Geschenken für die Gruppe übertrumpfen und das Kind oder auch nur sein oder ihr Fest den Tagesablauf bestimmen zu lassen finde ich geht einen Schritt zu weit.

Und zu Ostern: Ich finde es wichtig über Feste und deren Inhalte und vermittelte Werte zu sprechen aber das eigentliche Fest würde ich in der Familie belassen. Dort können die Eltern mit ihren Kindern entscheiden wie vertieft sie es thematisieren und wie bedeutend es sein soll.

 

All diese Feste beanspruchen viel Zeit und Vorbereitung. Zeit und Vorbereitung die in die individuelle Förderung von Kindern oder die Entwicklung der Gruppendynamik gesteckt werden könnte. In meinen Augen ist das, mit dem derzeitigen Personalschlüssel, zumeist dringender notwendig. Und nachdem nicht alle Kinder diese Feste genießen und nicht alle Familien diese Feste feiern wäre es meiner Meinung nach zumindest eine Überlegung wert sie zu deziemieren. Was uns oft daran hindert ist die eigene romantische Vorstellung wie es für uns als Kinder war – ich nehme mich hier nicht aus – ich mochte Geburtstage in Kindergarten und Schule nie und bin daher ziemlich sicher auch nicht objektiv.

Es wäre schön wenn wir als PädagogInnen den Mut hätten und auch spüren dürften, dass wir diese Abläufe für unsere Gruppe ideal gestalten könnten. Leider stehen dem oft Ansprüche der Leitungen, KollegInnen und auch Eltern im Weg die nicht immer den genauen Einblick haben um auch wirklich beurteilen zu können ob es für die Konstellation an Kindern sinnvoll ist 25 Tage im Jahr damit zu verbringen Geburtstage zu feiern wenn 14 davon viel glücklicher damit wären ihren Geburtstag mit den 3 eingeladenen Freunden zu hause zu feiern und den eigentlichen Tag auch gern und gut „normal“ begehen können.

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