Mein einziges Verbot

Wir haben die Regeln für unser Zusammenleben großteils gemeinsam aufgestellt. Bei ein paar wie zum Beispiel rennen im Gruppenraum hab ich ein wenig in die (für mich richtige) Richtung urgiert. Aber im Endeffekt waren wir uns einig was uns wichtig ist und wie wir es ahnden.

Es gibt nur ein einziges Verbot das von mir persönlich ausgeht und hinter dem ich auch stehe: Wir verwenden keine Waffen. Keine Spielzeugwaffen, keine Bausteine gebaut zu Waffen, keine Bananenwaffen, keine Fingerwaffen oder sonst irgendwelche. Wir schießen nicht.

Jetzt merke ich bei vielen Facebookdiskussionen, dass ich mit diesem Verbot auf einer sehr extremen Seite stehe. Viele sagen: „Lasst Jungs doch Jungs sein.“ „Entwicklungspsychologisch gesehen ist ein Verbot sogar schlecht.“ oder „Verbote reizen nur noch mehr.“

Ich bin ein recht reflektierter Mensch und denke über solche Argumente natürlich nach – habe auch recherchiert und einige Arbeiten gefunden in denen beschrieben wird wie wichtig Spiele mit Waffen für Kinder sind. Ich habe aber auch einige Werke gefunden die beschreiben, das es nicht störend und auch nicht unbedingt notwendig ist, das Kinder mit Waffen spielen.

Ein wichtiger Teil meines Lernbegriffs ist die Vorbildwirkung. In meiner Gruppe bin ich das größte Vorbild. Das soll nicht überheblich wirken aber ich merke wie mich Kinder nachahmen, ich merke und freue mich darüber das Kinder bei all meinen Angeboten gern dabei sind und das mir Kinder gerne helfen. All das zeigt für mich, dass sie mich gern haben und mich als Vorbild sehen.

Nachdem ich in meiner Freizeit überhaupt nichts gegen Wasserpistolen, Nerfguns und Paintball spielen hab könnte ich mit den Kindern im Garten rumrennen und wir könnten uns gegenseitig abschießen. Die Kinder bewegen sich, sie üben ihre koordinativen Fähigkeiten und wir haben alle Spaß zusammen. Und dann wird eine/r getroffen und stirbt. – Ja. Das klingt nach ganz viel Spaß für mich. *sarkasmus*

Ich kann solch ein Spielverhalten einfach nicht unkommentiert stehen lassen, selbst wenn die Kinder sagen, sie sind dann nur verletzt ist diese Version eines Spieles für mich nicht akzeptabel. Und wenn noch so viele Entwicklungspsychologische Studien sagen, dass diese Spiele sich nicht auf die Gewaltbereitschaft der Kinder auswirken – ich habe noch keine gesehen die das so gut ausleuchten konnte das es für mich plausibel klingt. Wir machen Spaß aus verletzen und sterben und geben dem Täter oder der Täterin die Macht das zu tun.

Ich möcht ein Vorbild sein und den Kindern zeigen, dass Spaß auch ohne Waffen geht – Räuber und Gendarm mit fangen und in ein „Gefängnis“ zerren, solche Spiele mit Körperlichkeiten sind für mich voll in Ordnung. Kinder sollen wissen, dass Waffen und Gewalt eines der Wurzel allen Übels wenn nicht sogar das größte auf der Welt sind und darin bestärkt werden, dass sie die klügeren sind wenn sie das wissen und argumentieren können.

Wenn einzelne Kinder den Drang verspüren in der Gruppe mit Waffen zu spielen folgt als allererstes von meiner Seite ein Gespräch. Wir sprechen darüber warum sie das machen (meistens haben sie es bei älteren Kindern gesehen) und darüber ob sie noch wissen wie ich zu Waffen stehe. Gemeinsam finden wir Kompromisse und dabei sind die Kinder inzwischen sehr kreativ – da gibt es dann den Zauberstab der deine Gefühle verändert wenn die der Zauberspruch trifft oder den Schlauch der ein Feuer erzeugt mit dem sich ein Raumschiff vor dem anderen verteidigt.

Die Kinder können inzwischen alle sehr gut unterscheiden zwischen Waffe und Werkzeug denn wenn sie mit einer „Axt“ spielen ist das voll in Ordnung, die braucht man schließlich um einen Baum zu fällen.  Mein Verbot bringt Kinder dazu kreative Lösungen zu finden die für alle passen, es bringt sie dazu miteinander zu sprechen welche Spielvarianten sie finden können die nicht mit Waffen gespielt werden, aber trotzdem wild sind und vor allem bringt es sie dazu darüber nachzudenken was nicht so toll ist an Waffen und wofür sie stehen.

Das ist meine Meinung zum Spiel mit Waffen im Kindergarten.

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2 Gedanken zu “Mein einziges Verbot

  1. mathilde

    ja, dieses verbot ist für ein bewusstes weiterentwickeln der Menschheit eine Bereicherung
    wie du ausführlich berichtest, kann ein bewusstes wesen auf verletzen und töten von anderen gerne verzichten… spiel ist Realität wie alles andere tun… .. wunderbar danke

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Konsequenzen – blackboxkindergarten

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