Was Kinder in der Eingewöhnung brauchen

Dazu gibt es zwar schon einige Artikel, trotzdem ist es mir wichtig dieses Thema anzusprechen. Es gibt nämlich kein General – Rezept für Eingewöhnungen. Von Kindern die zum ersten Mal in Fremdbetreuung kommen und einfach einspazieren und damit glücklich sind, bis zu Kindern die sich monatelang sträuben die Bezugsperson zu verlassen obwohl sie bereits Erfahrungen in außerfamiliärer Betreuung gemacht haben, die gut verlaufen sind, ist alles möglich.

Das wichtigste, dass wir Große in dieser Phase der Umstellung leisten können, sowohl als familiäre Bezugsperson als auch als Pädagogin, sind Sicherheit und Freiraum zu geben. So widersprüchlich das klingen mag. Jedes Kind braucht individuell genug von beidem.

Dazu ein Praxisbericht:

Wir hatten vor einigen Jahren ein Kind, dem es immer schwerfiel über die Schwelle zu treten. Wenn es einmal in der Gruppe war, war auch der restliche Tagesablauf kein Problem mehr. Aber der Moment der sichtbar räumlichen Trennung schien ihm aus irgendeinem Grund jeden Tag aufs neue herauszufordern. Es ergaben sich unterschiedlichste Versuche: drüberspringen – reinheben – mit mir/meiner Kollegin reinkommen – von der Bezugsperson hereingebracht werden. Nichts mit dauerhaftem Erfolg. Bis zu dem Tag an dem ich einfach mal scherzhaft meinte: „Weißt du was? Ich geh raus und du gehst rein. Wir wechseln einfach und tun so als würde ich gerade erst kommen.“ Ich ging also in die Garderobe und nach kurzem zögern beschloß dass Kind wirklich in die Gruppe zu gehen, legte sich in den Kuschelbereich und begann langsam anzukommen. Als ich nach wenigen Minuten wieder reinkam begrüßte ich das Kind ohne große Aufregung, so als wäre ich gerade gekommen. Dieses Zeremoniell absolvierten wir einige Wochen bis es für das Kind in Ordnung war, von selbst über die Schwelle zu kommen.

Meine These dazu: Wir hatten dem Kind einfach zu wenig Freiraum gegeben. Ein zu großes Theater aus „der Schwelle“ gemacht.

Für andere Kinder wäre so etwas undenkbar. Sie haben geradezu gewartet darauf abgeholt zu werden.

Jedes Jahr aufs neue ist es eine Herausforderung herauszufinden welches Kind welches Maß an Sicherheit und Freiraum benötigt. Sowohl für das pädagogische Personal als auch für die Eltern, kann es eine sehr frustrierende Zeit sein, da viele Kinder selbst nicht genau artikulieren können was sie brauchen und so gleicht es ganz vielen individuellen Spurensuchen. Gleichzeitig bergen diese Erfahrungen soviel Möglichkeiten des einander kennenlernens und sind extrem lohnend.

Ich wünsche allen die im pädagogischen Bereich tätig sind eine wundervolle Zeit der Eingewöhnung! Viel Kraft und viel Erfolg!

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