Sommerfrustration

Es geht nix weiter in der Diskussion über mehr Qualität.

Auf Facebook lese ich immer wieder Beiträge in den unterschiedlichsten Gruppen darüber wie PädagogInnen Input für ihre Arbeit suchen – meistens nur im kreativen Bereich. Ich lese von Eltern die sich Frechheiten erlauben und Kommentaren dazu, dass wir nunmal eine Dienstleistungseinrichtung sind. Ich lese von Schwierigkeiten mit den Rahmenbedingungen und als Hilfestellung dazu, dass wir es aus Liebe zu den Kindern machen und dass uns das Lohn genug sein sollte.

Das sind Kommentare von anderen PädagogInnen und ich frage mich: Wenn wir uns nicht einmal untereinander erlauben kritisch zu hinterfragen wohin die Reise mit der Elementarpädagogik geht wie sollen wir in der Öffentlichkeit auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit gewinnen?

Nein wir machen nicht nur Angebote im kreativen Bereich – aber die sind nun mal am leichtesten zu teilen. Was alles geschult wird ist für Außenstehende nur schwer zu beurteilen und das zu verbreiten ist auch nicht die Aufgabe von Gruppen zum Austausch. Das ist also absolut kein Punkt den ich kritisch betrachte.

Allerdings sträube ich mich dagegen die Aussage der Kindergarten wäre nunmal eine Dienstleistungseinrichtung als Erklärung dazu zu verwenden alle Sonderwünsche erfüllen zu müssen und daher auch den Wünschen der Eltern immer gerecht werden zu müssen. Wir sind die ExpertInnen in unseren Gruppen und Einrichtungen! Eltern wissen vielleicht (und auch das wage ich zu bestreiten) was das Beste für ihr Kind zu hause ist, aber in einer Gruppe von 25 Kindern haben sie keinen Einblick in Sozialverhalten, Gruppendynamik und auf noch viele andere Faktoren die wir im Blick haben (müssen). Wir haben so schon denkbar ungünstige Rahmenbedingungen für die Kinder aber auch für unsere Arbeit – daher habe ich kein Verständnis für Ausnahmeregelungen. Viele Eltern verstehen meinen Standpunkt sobald ich ihn erklärt habe; allerdings braucht es ein konsequentes miteinander aller KollegInnen um sich nicht gegenseitig zu untergraben.

Und dann noch die Aussage ob uns der Lohn der Dankbarkeit der Kinder nicht genug wäre. Ganz ehrlich: Nein! Ich genieße den ehrlichen Austausch mit den Kindern und bin hoch zufrieden wenn ich ihre Fortschritte miterleben darf. Aber das ist meine Arbeit. Für die ich dementsprechend entlohnt werden möchte. Und wenn ich ein Jahr lang viel alleine arbeiten musste oder Zusatzaufgaben bzw. Projekte übernommen habe, dann möchte ich auch einen Bonus dafür. All das ist in unserem Bereich faktisch unmöglich. Ich hatte eine Gehaltsverhandlung und wurde fast ausgelacht. So sieht es aus im Bereich der elementaren Bildung.

Das wollte ich gern mal geschrieben haben.

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Kindergarten ja? Kindergarten nein? Kindergarten anders!

Gut das wird jetzt ein bisschen persönlich.

Ich liebe meinen Beruf.

Hier das große ABER: mit den Rahmenbedingungen die vorherrschen ist es einzig und allein den engagierten Menschen die in diesem Bereich arbeiten zu verdanken, dass nicht schon längst nur mehr reine Betreuung stattfindet.

Liebe Eltern,

Unterstützt eure PädagogInnen, euer pädagogisches Team in dem ihr „Ja!“ zum Kindergarten sagt. Aber zu einem in dem eure Kinder nicht nur so mitlaufen sondern einer in dem dafür Sorge getragen wird, dass immer genug Zeit und immer genug Nerven da sind. Auch in Zeiten von Krankenständen und Personalnotstand. Das dafür in ruhigen Zeiten sehr viel mehr Personal da ist, dient dem Schutz dieser Forderungen und ist gleichzeitig angenehmer Nebeneffekt für die Förderung Ihrer Kinder. Denn je mehr Augenpaare, desto mehr versteckte Talente und Interessen können entdeckt werden und je mehr Hände desto besser kann auf diese auch eingegangen werden.

Träger setzen das um was im Gesetz steht. Und dieses Gesetz gehört dringendst aktualisiert und den Bedürfnissen der heutigen Zeit angepasst. Wenn ich den ganzen Nachmittag allein in der Gruppe stehe und die 19te Bezugsperson erzählt mir, dass sie ihr Kind ab sofort bis 16:00 lassen möchte weil sie einen Kurs besucht oder sich Arbeitszeiten verändert haben mache ich natürlich keine Luftsprünge. Wenn solche Anforderungen personell abgedeckt werden können, kann ich entspannt reagieren und mich auf das wesentlich konzentrieren: Die Arbeit mit den Kindern.

Alles Liebe,

eine etwas erledigte Pädagogin

(es war ein langer Tag)

Wieder etwas weniger…

Es ist nur menschlich, dass das was man bekommt oft einfach weitergegeben wird – beziehungsweise wird das was jemandem genommen wird, dem nächsten auch nicht gegönnt.

Bei uns im Elementarbereich betrifft das im Moment Regelungen. Seien es Auflagen die für die gesunde Jause erfüllt werden müssen, Brandschutz, Protokolle oder die Kürzung von Schließtagen.

Der Bund wünscht sich, das Land probiert, die Träger machen mal, die Leitungen probieren sich in der Umsetzung und hängen bleibt es an den im aktiv Dienst stehenden PädagogInnen.

PädagogInnen sind leider nicht sehr wehrhaft. Wir haben nicht wirklich ein Sprachrohr und selbst wenn, würde eines nicht reichen – wir haben zig unterschiedliche Einrichtungen die alle von unterschiedlichen Organisationen mitvertreten werden. MITvertreten. Wir haben keine eigene, starke Organisation die sich für uns einsetzt.

Wenn sich jetzt also eine Pädagogin findet – die neben einem ganz normalen 40h Job – die Energie aufwenden möchte sich für ihren Berufsstand einzusetzen geht sie erstmal einen Haufen leere Kilometer um herauszufinden, dass es noch nichts gibt wo sie mithelfen könnte. Sie müsste etwas aufbauen. Aber wie?

Weiß vielleicht jemand wie ich eine Lehrer- oder Metallergewerkschaft für ElementarpädagogInnen herzaubern kann?

 

 

Was so manche Menschen von sich schreiben…

Meistens bin ich stille Mitleserin. Sowohl in den unterschiedlichsten Facebook Gruppen bei denen sich verschiedenste Menschen wegen Kleinigkeiten einander beleidigen als auch bei vielen Artikeln die hauptsächlich aus Eigenmeinungen bestehen. So wie ja auch mein Blog.

Aber manchmal… manchmal platzt aus mir ein Schreikrampf der in einen Schreibkrampf umgewandelt werden will. Natürlich frage ich mich dann ob ich den betreffenden Artikel wirklich kommentieren und teilen soll nur um ihm noch größere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen – aber bei der momentanen Reichweite fällt dieses Argument noch sehr wenig ins Gesicht.

Lange Rede, auf zum betroffenen Artikel:

Betrachtungen aus der Kampfzone Kita

Ein Vater schreibt wie sich Menschen die ihre Kinder in Fremdbetreuung geben (müssen) gegenseitig schlecht machen und wie wenig ihn das tangiert.

Abgesehen davon, dass dieser Mensch die Lernerfahrungen die ein Kind macht wenn es mit einer Bezugsperson den „normalen“ alltäglichen Tätigkeiten nachgeht vollkommen bagatellisiert, hat mich diese Aussage zum schreiben gebracht:

Dabei war meine Erfahrung: je später der Nachmittag, desto mehr Erzieher, die das Kind bespaßen können.

Vielen Dank für die Abwertung meines Berufsbildes und ganz ehrlich: Wenn alle Eltern, dass so sehen haben wir am Nachmittag immer mehr Kinder zu „bespaßen“ und damit immer mehr Betreuungspersonal, dass irgenwann die Nerven wegschmeißt und im besten Fall den Job wechselt.

Alles in allem ein absolut furchtbarer Artikel.

Wir sparen am falschen Platz

Vor einiger Zeit gabs im Blog einen Beitrag über unsere großartigen pädagogischen Assistentinnen, daran möchte ich heute anknüpfen.
Wir führen gemeinsam mit ihnen unsere Gruppen, sie übernehmen teilweise eigene Projekte, unterstützen und beobachten die Entwicklung der Kinder im Alltag und sind somit gleichermaßen Bildungspartnerinnen der Kinder. Wenn ich nicht in der Gruppe bin, dann habe ich die Gewissheit, dass mein Programm weitergeführt wird. Auch die Eltern schätzen die Arbeit unserer pädagogischen Assistentinnen sehr und sehen sie als gleichwertige Ansprechpartnerinnen an.

Wenn ich nicht anwesend bin und sie meine Arbeit zusätzlich zu ihrer übernimmt, dann gehört das in meinen Augen auch angemessen honoriert. Wenn schon nicht monetär, dann zumindest in Form von Vorbereitungszeit – und wenn das nicht gegeben wird, dann sollte sie genügend Unterstützung durch SpringerInnen bekommen. Alles andere grenzt für mich an Ausbeutung.

Wir können froh sein, dass es trotz all den Umständen noch so engagiertes Kindergartenpersonal gibt, denen die Entwicklung der Kinder wirklich am Herzen liegt. Menschen, die teilweise ihre Freizeit nutzen, um sich auf den kommenden Tag vorzubereiten.

Wir bewegen uns in einem elementaren Feld der Pädagogik, wo man man meiner Meinung nach nicht sparen sollte, schon gar nicht bei den Menschen, die so kompetent und genau ihrer Arbeit nachgehen. Adolf Haslinger, ein österreichischer Hochschullehrer und Hochschulleiter, hat zum Thema Bildung einen sehr treffenden Satz formuliert: „Wer an der Jugend spart, wird in Zukunft verarmen“ 

 

Das Rätsel um die Ressourcen..

Wir sind ein mehrgruppiges Haus in dem jede Gruppe mit einer Vollzeit Pädagogin und einer pädagogischen Assistentin mit von Teilzeit bis fast Vollzeit besetzt ist. Zusätzlich gibt es zwei Springerinnen in Teilzeit die wir uns mit anderen Häusern teilen. Wenn Krankenstände anstehen sind wir es gewohnt, zwischen den Gruppen hin und her zu hüpfen, um uns gegenseitig so gut wie möglich zu unterstützen. Jede Gruppe verfügt über ein eigenes pädagogisches Konzept und einer Planung. Diese bleibt allerdings immer dann auf der Strecke, wenn wir in anderen Gruppen einspringen.

Wo sind die Ressourcen, über die alle sprechen?! Ja, wir sind ein Team von über 10 Menschen, aber wir haben auch die Verantwortung über 100 Kinder. Es gibt da einen Satz, den finde ich persönlich besonders toll hinsichtlich dieser Thematik:
„Wir haben so viele Ressourcen. Früher war es Usus, dass wir den ganzen Vormittag alleine in der Gruppe verbracht haben.“

Wir beginnen langsam, den Kindergarten als die Bildungseinrichtung zu etablieren, die er ist. Warum sollen wir uns dann wieder zurück in die Vergangenheit begeben? Es soll nicht Usus sein, dass wir alleine in der Gruppe stehen. Für jede Gruppe ist eine Pädagogin und eine pädagogische Assistentin zuständig. Punkt. Die Eltern, die Gesellschaft, das Unternehmen und die Kinder fordern einen gewissen Qualitätsstandard und adäquate Bildungsarbeit.

Dann gibt es da noch den tollen Widerspruch hinsichtlich der pädagogischen Assistentinnen. Vorweg möchte ich dazu sagen, dass wir mit unseren Betreuerinnen in einem tollen Team funktionieren und wir ihnen ohne Nachdenken, die gesamte Gruppe überlassen können.  Laut Gesetz dürfen sie allerdings nur mit einer Handvoll Kinder alleine sein.

hm.. das Gesetz..

Sehr unrealistisch hinsichtlich unseres Personalschlüssels. Zudem übernehmen die Assistentinnen beim Fehlen der Pädagogin, die gesamte pädagogische Arbeit in der Bildungszeit und das neben ihren üblichen Tätigkeiten. Honoriert wird das mittels Vorbereitungszeit, die die Assistentin gut geschrieben bekommt, wenn sie den ganzen Tag alleine die Gruppe geführt hat. Wenn allerdings eine Pädagogin von uns nur für wenige Stunden mithilft und ihre Gruppe ebenso „alleine“ lässt, fällt die Assistentin um ihre Vorbereitungszeit. Setzt man sich dafür ein, dass sie trotzdem monetär oder in Form von Stunden entlohnt werden, bekommt man als Antwort, dass die geringere Ausbildung diese Art der Entlohnung nicht rechtfertigt.

Ich habe mich schon oft gefragt, in welcher Form das gerecht ist. Wenig Personal vermindert in jeglicher Hinsicht die Qualität unserer Arbeit. Elementarpädagogik ist Bildungsarbeit, ganz klar. Allerdings wird es uns, dank des Gesetzes, sehr schwer gemacht qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten. Nach der Alt Wien Kindergartenkrise, wurde angedacht, die Kindergartengruppen von 25 auf 30 Kinder zu erhöhen. Zum Glück wurde diese Diskussion bis zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr vertieft.

Ach ja..

..und fortlaufende Prestige Projekte, die uns Ansehen und Anerkennung verschaffen sollen, müssen natürlich während der ganzen Zeit weiterlaufen. Lasst das Gesetz gleich, aber baut die Gruppen und Planungen weiter aus. Irgendwann müssen wir doch mal an den Punkt kommen, wo selbst die ganz oben sehen, dass dieses Konzept so nicht funktionieren kann.
Deshalb: Aufstehen, auf Umstände zeigen, Öffentlichkeitsarbeit leisten, darüber reden. Weg von der Aufbewahrungsstätte und endlich hin zur Bildungseinrichtung.

 

Die Eingewöhnungsphase in der Kinderkrippe

Der Eingewöhnungsprozess begleitet uns meist schon ab Jahresende. Durch den Elternabend im Vorjahr, bekommt man schon ein grobes Bild der Neuzugänge. Begonnen durch ein neues Raumkonzept, versuchen meine pädagogische Assistentin und ich eventuelle Interessen der Kinder einzubauen, und genügend Plätze zum Ankommen und Verstecken zu schaffen.

Im September beginnt eine Zeit die viel Geduld, Empathie und Fingerspitzengefühl verlangt. Vom Ankommen bis zum Mittagessen haben wir nicht mal wirklich Zeit, um uns kurz zu setzen und den Tag zu besprechen. Ein Streit dort, ein Ablenkungsmanöver da, Terminvereinbarung bezüglich der Eingewöhnung, lange Elterngespräche und nebenbei noch ein kurzer pädagogischer Input für die großen Kinder. Meine pädagogische Assistentin und ich arbeiten in dieser Zeit sehr gut zusammen und versuchen uns den Tagesablauf bestmöglich aufzuteilen, aber selbst als eingespieltes Team sind vier Hände während der Phase der Eingewöhnung zu wenig.

Zum einen gibt es da die Eltern der neuen Kinder, welche selbst Ängste, berechtigte Sorgen und manchmal ein bisschen ein schlechtes Gewissen mitbringen. Die Eingewöhnungsphase ist der Schlüssel zu einer guten und offenen Elternarbeit. Gerade in dieser Zeit brauchen sie geduldige und emphatische AnsprechpartnerInnen und vor allem klare Strukturen.

Eine gewisse Vertrauensbasis und eine gute Eltern-PädagogInnen Beziehung, erleichtert auch den Start für die Kinder und fördert den Trennungsprozess. Für die optimale Eingewöhnung braucht das Kind genug Zeit, um mit uns alleine und im Kontext einer Gruppe eine Bindung aufzubauen.

Die Kinder, die bereits fest in der Gruppe verankert sind laufen mehr oder weniger nebenbei her und fallen teilweise wieder ein Stück zurück, aufgrund ständiger Elternpräsenz und Unterforderung. Besonders in dieser Zeit testen die Kinder gerne noch einmal die Grenzen.

Verlangt wird von uns individuelle und ganzheitliche Förderung, eine schnelle aber behutsame Eingewöhnung und natürlich große Transparenz.

In der Theorie klingt das ja gut. Aus der Praxis gesprochen weiß ich allerdings nur zu gut, wie schwer dieser Spagat zwischen Eltern, neuen Kindern und der bestehenden Gruppe ist. Speziell, da die Tendenz unsere Gruppen zu überfüllen steigt. Für mich wieder ein sehr gutes Beispiel, dass es uns einfach an Personal mangelt. Eine dritte Person in der Gruppe, könnte für alle Beteiligten eine große Stütze sein und es möglich machen unsere Anforderungen so zu erfüllen, dass wir uns nicht spätesten im November bereits den ersten Krankenstand vermerken können.