Urlaub

Da hab ichs geschafft, dass meine ganze Karriere als Elementarpädagogin kein einziges Kind einen Sonnenbrand kassiert… und ich so? Erster Tag im Urlaub: Sonnenbrand.

Wir lesen uns hoffentlich wieder wenn das Brennen nachgelassen hat und ich frisch erholt bereit bin für neue Beiträge.

Schöne Sommerzeit und bis bald!

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Diese eine Bezugsperson

…die einen dann doch fast an jedem Tag wieder zum schmunzeln bringt 😀

Wir haben eine Bezugsperson der es sehr schwer fällt pünktlich zur vereinbarten Bringzeit zu erscheinen. Ich hatte schon einige Gespräche und wir sind zu dem Einverständnis gekommen solang das Kind nicht mehr jausnen möchte in der früh reicht es wenn er rund um die vereinbarte Zeit bei der Türe „hineingeschoben“ wird. Er ist schon ein großes Kind, braucht in der früh kaum Zuwendung und ist vollkommen zufrieden mit der ausgemachten Handhabe. Dazu möchte ich noch erklären, dass wirklich evident ist, wie sehr sich die beiden Mühe geben pünktlich zu kommen und das sie mir erzählt haben wie sie die Ruhe und die Zeit am Morgen noch gemeinsam genießen – dafür hab ich als notorische- nicht – unbedingt – in – der – früh – schon – mit – Fremden – quatschen – müssen – Person vollstes Verständnis.

Das gesamte Jahr sind die beiden ziemlich pünktlich mal ein paar Minuten vor Ende der Bringzeit mal 1 – 2 Minuten nach der Bringzeit gekommen.

Und jetzt, in den letzten Wochen Kindergarten fürs Kind, kommt die Bezugsperson doch tatsächlich immer 10 Minuten vorher.

Warum?

Die Antwort: „Ich möchte, dass Sie mich in guter Erinnerung behalten.“

Ziel erreicht. Aber sowas von. Und eine gute Geschichte mit Schmunzelfaktor noch dazu.

Ich weiß langsam nicht mehr wie wir das alles schaffen sollen…

War der Satz einer Mutter über die verkürzten Öffnungszeiten am letzten Kindergartentag vor der Sommerschließzeit.

Ich muss ehrlich sagen: Wir auch nicht. Die Kinderzahlen dezimieren sich im Sommer kaum mehr. Eltern die mit ihrem zweiten Kind in Karenz sind nutzen bis zu 8 Stunden Betreuung am Tag und wir können nur dankbar sein über die paar Kinder deren Eltern ihren Urlaub ein wenig aufteilen und damit auch uns die Zeit geben die Gruppen auszuräumen und das Spielmaterial zu waschen und zu verstauen.

Das sollte zwar wirklich kein Problem der Eltern sein, aber solange sich die Bildungspolitik der Frage der Machbarkeit nicht endlich vernünftig stellt, kann ich auf solche Fragen wirklich nur antworten: „Für uns ist es auch nicht leicht.“

Mehr kann ich dazu gerade gar nicht schreiben – muss mich zu sehr aufregen.

Was wir im Umgang miteinander von Kindern lernen können

Kinder sind zwar genauso ein Produkt ihrer Umwelt wie wir – es gibt jedoch einige Aspekte die bei Kindern noch nicht so ausgeprägt sind wie später bei vielen Erwachsenen.

Die meisten Kinder die ich kennenlernen durfte sind grundsätzlich ehrlich wenn sie dir etwas mitteilen und sie sprechen immer in erster Linie von sich.

Dinge die wir uns später in diversen Kommunikationsseminaren mühsam anlernen müssen könnten wir uns also einfach von ihnen abschauen. Stattdessen freuen wir uns über ehrlichen Kindermund – sind aber von ehrlichen Aussagen anderer Erwachsener alles andere als amüsiert. Meistens eher entrüstet.

Ich genieße die Ehrlichkeit der Kinder und wünsche mir so viel mehr davon von Kolleginnen, Eltern und Menschen in Leitungsfunktionen. Es ist einfacher die Bedürfnisse anderer zu verstehen und zu akzeptieren wenn uns auch die Gründe dahinter offenbart werden. Erst kürzlich bin ich mit einer Mutter aneinander geraten weil sie von uns verlangt hat ihr Kind für den Garten umzuziehen. Ist ja theoretisch bei einem Kind kein Problem – fangen aber alle damit an, brauchen wir gar nicht mehr in den Garten gehen weil wir dann nicht fertig werden damit alle gartengerecht anzuziehen. Im Gespräch hat mir die Mutter sehr persönliche, dahinterliegende Gründe offenbart und ich war nicht nur besänftigt sondern habe mich gleichzeitig wertgeschätzt gefühlt ob des Vertrauens das sie mir entgegen gebracht hat. Gleichzeitig konnte ich ihr mitteilen, dass meine große Sorge bei Ausnahmen immer ist, dass es alle so handhaben möchten und ich deswegen oft etwas schroff reagiere.

Solche Möglichkeiten bieten sich uns täglich und anstatt sich übereinander zu ärgern könnten wir uns einfach ein Beispiel an den Kindern nehmen. Wenn die nämlich das Gefühl haben etwas geht unfair zu dann sprechen sie das an.

Außer Betrieb

Und ich dachte ich hätte es übertaucht.

Diese Woche mussten wir ein Kind wegen Durchfall aus dem Kindergarten abholen lassen. Auf Nachfrage erzählte er uns, dass ihm in der früh schon schlecht war aber die Mama hätte ihm irgendeinen Saft gegeben und gesagt das würde schon wieder werden.

Es kam wies kommen musste: Im laufe der Woche erreichten uns die Anrufe von Eltern die ihre Kinder aufgrund von Durchfall nicht in den Kindergarten brachten. Und dann hats mich auch noch erwischt.

Jetzt schmeißt meine Kollegin alleine die Gruppe.

Die Moral von der Geschichte: Es bringt nichts ein krankes Kind in den Kindergarten zu schicken. Wir lassen es abholen und dann muss sich nicht nur eine betroffene Familie mit der Pflege eines kranken Kindes beschäftigen sondern mehrere. Und die restlichen Kinder werden von meistens nur mehr einer Person betreut.

Sommer, Sonne, Sonnenschein = Sonnencremezeit

Ich hatte gehofft die kühle schattige Zeit würde nie aufhören. Nicht nur weil ich die Hitze nicht wirklich gern hab und eher ein Wintermensch bin sonder auch weil das eincremen der Kinder sehr viel zusätzliche Zeit in Anspruch nimmt.

Vormittags ist die Sonnenzeit kein Problem, die Kinder werden von den Eltern mit Sonnenschutz und eingecremt gebracht (oder auch nicht aber das liegt in ihrer Verantwortung). Über Mittag gehen wir nicht hinaus, da die Sonnenstrahlung da am stärksten ist und wir mit Mittagessen, Ruhe- und Freispielzeit im Innenbereich beschäftigt sind. Am Nachmittag wirds dann interessant.

Bei uns läuft ein normaler Nachmittag so ab:

Zwischen Mittagessen und Jause werden drei unserer Kinder geholt, das heißt wir jausnen mit bis zu 22 Kindern. Theoretisch jausnen wir und gehen dann gleich hinaus sofern es das Wetter zulässt. Das heißt wir brauchen ungefähr eine halbe Stunde für die Jause und dann nochmal ungefähr eine viertel Stunde um abzudecken, aufzukehren, Sessel raufzustellen, Tische zu wischen und uns anzuziehen damit wir rauskommen um die restlichen KollegInnen zu unterstützen bzw damit die AssistentInnen Zeit genug haben um das Geschirr waschen zu gehen.

Erfahrungsgemäß brauche ich mindestens 1 Minute pro Kind – meistens etwas länger weil wir die Zeit auch nutzen um zu tratschen und mir die Kinder auch gerne ihre kleinen Schrammen zeigen und mich bitten dort besonders aufzupassen. Es ist kein Problem die Kinder dazu zu bekommen mich eincremen zu lassen, es wirkt sogar als würde es der großteil genießen und sie nehmen dafür auch Anstellzeiten in Kauf (auch wenn ich ihnen anbiete weiter zu spielen und erst zu kommen wenn ich „frei“ bin). Das heißt also ich muss nur die pure Eincremzeit nehmen, also im Extremfall 20 Minuten wenn ich nach der Jause eincreme – da noch mindestens zwei Kinder direkt nach der Jause geholt werden. Die Zeit der Jause verlängert sich so von insgesamt 45 Minuten auf 65 Minuten.

Wenn genügend Personal vorhanden ist, ist das alles kein Problem. Denn dann cremt eine von uns ein während die andere die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten erledigt. Oft passiert es allerdings das ich allein bin und dann wirds brenzlig im Sommer.

Was ich damit sagen möchte: So ein bissl eincremen von „ein paar“ Kindern passiert auch bei uns nicht einfach so nebenbei. Jeglicher Zusatzaufwand ist mit Zeitaufwand verbunden. Zeit die anderswo verloren geht.

Wenn dann ein Elternteil morgens kommt und sagt: „Ich habs heut morgen einfach nicht geschafft. Sie haben ja eh die Sonnencreme für den Nachmittag, schmieren sie ihn doch einfach ein bevor sie rausgehn.“ und wieder geht, fühle ich mich gelinde gesagt verarscht. Was ganz anderes ist: „Ich habs heut morgen nicht geschafft ihn einzucremen. Kann ich mir eure Sonnencreme ausborgen und das noch schnell hier machen?“ Ich kann mich glücklich schätzen – dieses Jahr bin ich mit meiner Elternarbeit so erfolgreich gewesen, dass bei uns nur Eltern der zweiten Sorte anzutreffen sind.

Auch beim abholen zeigen die Bezugspersonen der Kinder unserer Gruppe Verständnis und Wertschätzung für den zusätzlichen Aufwand. Wir haben einige Eltern die bei der Tür reinkommen während ich am eincremen bin und sagen: „Oi! Ich hoffe du hast die Maria noch nicht eingeschmiert, das kann ich gleich übernehmen.“ oder: „Ah bin ich knapp zu spät oder genau richtig?“ All das freut mich, weil ich weiß diese Eltern sehen, das es für uns ein extra Aufwand im Sommer ist – genauso wie die ständige Kapperlsuche übrigens :). So hat die Eincremerei wenigstens einen guten Aspekt, neben dem Schutz der empfindlichen Kinderhaut.

In diesem Sinne wünsch ich Ihnen schöne Sonnentage und eincremen in der früh nicht vergessen 😉

Konsequenzen

Alles im Leben hat welche.

Warum mich das Thema beschäftigt: Ich habe eine Diskussion auf Facebook verfolgt in der es darum ging was ein Kind daraus lerne wenn es aufgrund Fehlverhaltens an die Seite gesetzt wird. Grundtenor war: nichts. Oder: das es lernt, dass es mit seinem Charkater nicht akzeptiert und aus der Gruppe ausgestoßen wird.

Ich denke, das Kind lernt auf jeden Fall etwas. Nämlich das sein Verhalten Konsequenzen hat. Dies ist in der Kindheit so und das trifft auch im späteren Leben zu.

Kinder sind im Kindergarten um zu lernen. Und da wir uns in einer Gesellschaft befinden in der es gewisse Regeln zum Zusammenleben gibt sollte auch vermittelt werden, das Fehlverhalten Konsequenzen hat. Nun wer bestimmt was Fehlverhalten ist? Ganz einfach. Die gesellschaftlichen Normen.

In unserer Gruppe wird das folgendermaßen ausgelebt: Bis auf das eine Verbot (siehe letzter Blogbeitrag) werden die Gruppenregeln gemeinschaftlich besprochen und die Konsequenzen festgelegt. Wir halten diese Abmachungen grafisch fest und die Kinder unterschreiben mit ihrem Namen oder Finger- bzw. Handabdruck, je nach Zusammenstellung der Gruppe. Meistens haben die Kinder schon sehr genaue Vorstellungen davon was in einer Gemeinschaft nicht gestattet werden sollte: jemand anderem nichts wegnehmen, nichts kaputt machen, niemandem absichtlich wehtun. Aber auch was wünschenswert wäre: einander helfen und trösten, aufeinander acht geben, kleinere Aufgaben übernehmen.

Bei den Konsequenzen sind die Kinder meist strenger als ich das wäre und ich versuche meistens diese ein wenig abzuschwächen. Von nie mehr damit spielen dürfen bis zu einsperren habe ich da schon einiges gehört. Zumeist einigen wir uns darauf, dass das betroffene Kind erinnert wird an die Regel und danach eine zweite Chance bekommt. Erst danach greift die nächste Konsequenz – oft ein Verbot für einen gewissen Zeitrahmen.

Die Kinder lernen also, dass es gemeinsame Regeln gibt bei denen sie auch mitentscheiden dürfen, was ich besonders wertvoll für die demokratische Erziehung halte. Nun wenn ein Kind sich absolut nicht daran hält und nach mehrfacher Erinnerung, kurzen Konsequenzen und vielen Gesprächen noch immer „Fehlverhalten“ zeigt in dem es zum Beispiel die Werke anderer Kinder mutwillig zerstört, soll ich dem Kind dann wirklich sagen: „Hey alles voll lässig. Das ist für alle in Ordnung. Nur weil jetzt die anderen Kinder weinen muss dich das nicht betreffen. Du bist toll so wie du bist!“ – und dann regen sich Leute auf über Tyrannenkinder und die verweichlichung unserer Jugend wenn sie doch mal ein strenges Wort vernehmen.

Von mir hören die Kinder: „Was du eben gemacht hast ist nicht in Ordnung. Setz dich an den Tisch. Ich komme zu dir sobald ich mich um die anderen Kinder und das Chaos gekümmert habe.“

Wenns ein Tag voller Anstrengungen war hören sie manchmal auch: „Maria! Das hab ich dir heute schon dreimal erklärt. Setzt dich jetzt an den Tisch!“

Die Kinder wissen, dass ich sobald ich mich um die Wiederherstellung der „normalen“ Gruppensituation gekümmert habe zu ihnen komme um mit ihnen zu sprechen. Wenn es zum wiederholten male vorgekommen ist kann es auch sein, dass das einige Minuten dauert, weil ich selbst auch nachdenken muss wie ich mit der Situation am besten umgehe.

Also ja. Bei mir sitzen manchmal Kinder auf einem Sessel und warten darauf, dass wir über Geschehenes sprechen. Wer das als traumatische Strafe betrachtet dem muss ich auch sagen: Ja. Bei mir werden Kinder bestraft. Weil ich nicht dafür verantwortlich sein möchte, dass ich Kinder in die Welt entlasse die vom gesellschaftlichen Zusammenleben nichts verstehen. Die anderen Menschen Dinge wegnehmen weil sie sie haben wollen und das okay finden. Die anderen weh tun und nie gehört haben, dass das nicht geht.

Wir bereiten Kinder auf das Leben vor. Das Leben ist manchmal hart und im Leben muss man sich an gewisse Spielregeln halten. Was passiert wenn die Menschen das nicht lernen sehen wir an den Vereinigten Staaten von Amerika.

Kleiner Nachsatz: Was ich mit meinen Konsequenzen nie tun möchte ist ein Kind in seiner/ihrer Würde verletzen. Deshalb ist es mir auch ganz wichtig das sie verstehen: Nur weil jemand etwas gemacht hat, dass den Regeln oder Gesetzen widerspricht, heißt das nicht, dass dieser jemand ein schlechter Mensch ist. Das was er oder sie getan hat, war nicht okay – aber das erlaubt mir nie ein Urteil über den Menschen als ganzes zu fällen. In Kindersprache: Maria, du bist wirklich ein toller Mensch und du kannst vieles sehr gut. Zum Beispiel hilfst du immer gern den jüngeren Kindern beim anziehen, das ist toll und dafür schätze ich dich sehr. Aber, dass du heute schon zum dritten Mal das Bauwerk von Erik zerstört hast, ist nicht okay. Kannst du mir bitte erzählen warum die das machst?