Gemeinschaft

Wir mussten die Sitzordnung in der Garderobe ein wenig verändern. Die Kinder begannen sich gegenseitig aufzuschaukeln und wir konnten durch Veränderung der Plätze mehr Hilfe untereinander aber auch ein ruhigeres Raumklima beobachten.

Für die Kinder war das kein Problem – wir hatten besprochen was wir vorhatten, haben die Kinder auch so weit als möglich einbezogen und die Umstellung funktionierte beinah reibungslos. Auch auf Information der Eltern hatten wir nicht vergessen und rechtzeitig Elternaushänge geschrieben.

Tja…die werden wohl nicht immer gelesen. Einige Tage nach der Umstellung erreichte mich eine besorgte Mutter die meinte ihr Kind käme überhaupt nicht klar mit der plötzlichen Platzveränderung und sie wäre ja jetzt überhaupt nicht mehr neben ihrer Freundin.

Ich musste ein wenig Ärger runterschlucken weil ich wusste, dass es nicht das Kind war, dass ein Problem mit der Umstellung hatte. Sie kam unverändert herein und genoss die Aufmerksamkeit des älteren Kindes neben ihr. Trotz meines Ärgers hatten wir ein angenehmes ruhiges Gespräch und ich konnte die Mutter gut auffangen. Allerdings gab mir das ganze zu denken.

Für die Mutter war es, naturgemäß, sehr wichtig wie es ihrem Kind und ihr mit der Umstellung erging und am Rande auch noch der jungen Freundin – wenn auch das mehr als Eigennutz erschien.

Was wir in solchen Momenten gerne vergessen und ich nehme mich hierbei nicht aus, ist dass der Mensch im Grunde ein gemeinschaftliches Wesen ist. Was gut ist für die Gruppe wirkt sich längerfristig auch gut auf das Individuum aus, auch wenn das im Moment schwerer zu sehen ist.

Das betroffene Kind, hatte immer ein wenig Schwierigkeiten damit auf andere Kinder zu zu gehen und wurde nun zu einem hilfsbereiten älterem Kind gesetzt welches sie gerne unterstützt und ihr damit auch ein wenig die „Angst“ vor weiterer Kontaktaufnahme nimmt. Durch die ruhigere Atmosphäre in der Garderobe sind alle Kinder, aber auch wir etwas entspannter und schaffen es die Übergangszeiten zum Raumwechsel oder zum rausgehen kürzer zu halten. Die neue Sitzordnung birgt weniger Konfliktpotenzial da wir Kinder die mehr Raum brauchen an die Ecken setzen konnten an denen sie weniger Rücksicht auf die anderen Kinder nehmen müssen.

In vielen Fällen ist die sofortige Auswirkung auf das Kind ersichtlich, in manchen nicht. Unsere Aufgabe als PädagogInnen ist es aber immer auch die Gemeinschaft im Auge zu behalten. Schließlich begleiten wir Kinder auf dem Weg in eine demokratische Gesellschaft und wollen ihnen auch Werte wir Hilfsbereitschaft, Zivilcourage und Freundschaft näher bringen. Diese Werte funktionieren nicht aus rein egoistischen Motiven heraus.

Ich finde es schade, dass ich nicht immer genug Zeit habe um den Eltern auch solche Informationen weiter zu geben. Aber der stressige Alltag lässt es einfach nicht zu und ein Elternabend zum Thema würde extra Stunden kosten die ein Arbeitgeber selten tragen möchte.

 

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Wenn du einen Bewegungsdrang hast…

…dann geh bitte in die Außenspielfläche.

Ist mein Standardsatz wenn Kinder in der Gruppe zu laufen beginnen. Leider ist es mit meinem Sicherheitsempfinden absolut nicht vereinbar die Kinder auf so engem Raum wie es ein Gruppenraum in den meisten Fällen ist, dass sich die Kinder richtig austoben können. Trotzdem versuchen wir viel Raum zu schaffen. Dazu zählt, dass die Kinder immer die Möglichkeit haben in kleineren Gruppen hinaus zu gehen und dass wir versuchen den Bewegungsraum so oft wie möglich zu nutzen.

Immer wieder lese ich, dass Kinder nicht mehr rückwärts gehen und balancieren können – das musste ich glücklicherweise bei unserer bewegungsfreudigen wilden Horde (absolut lieb gemeint ;)) noch nicht beobachten – was wir allerdings sehen ist, dass wir sehr viel an der Ausdauer arbeiten müssen wenn die Kinder frisch zu uns kommen.

Sowohl beim konzentrierten Arbeiten als auch beim Bewegen geben die Kinder gefühlsmäßig immer früher auf. Durch viele Bewegungsangebote und durch das (wieder)entwickeln von Freude an Bewegung ergibt sich sowohl das eine als auch das andere. Allerdings wäre es wirklich wichtig, dass auch die Eltern mit ihren Kindern toben gehen und die Kinder Möglichkeiten bekommen sich auszupowern und ihre Grenzen kennen zu lernen. Da wäre vielleicht noch etwas mehr möglich als wir es hier im Kindergarten möglich machen können.

Jetzt freu ich mich schon richtig drauf gemeinsam mit den Kindern eine spannende Beweguungslandschaft aufzubauen.

Ich wünsche Ihnen allen einen spannenden, bewegungsreichen Tag!

Von der rosaroten Brille

Ich bin über einen sehr süßen Brief einer Erzieherin an eine Mama gestoßen.

Wirklich herzig. Aber mit ner absolut fetten rosa Brille.

Wenn ich an unsere Gruppe Kinder denke fallen mir 2 Elternteile ein bei denen ich diesen Brief genau so wiedergeben würde. Am liebsten würde ich ihnen den Brief so vorlesen.

Dann gibt es viele die mich zwar umarmen würden aber gleichzeitig würden sie mich fragen ob ich irgendwelche Hormone genommen habe weil ich gar so gefühlsduselig bin und das ihnen das eh klar war.

Ein paar fänden es nett.

Dann gibt es ein paar die sich fühlen würden als wäre ich ihnen auf den Schlips getreten weil sie sich dabei ertappt fühlen, dass sie wissen, dass es für ihr Kind besser wäre wenn es etwas mehr Zeit zuhause verbringen könnte aber es ist aus irgendwelchen Gründen nicht möglich oder praktikabel.

Und dann gab es schonmal eine, da würde ich mir dermaßen falsch vorkommen ihr etwas in die Richtung zu sagen, dass ich es nicht über die Lippen brächte.

Ja ich arbeite gern mit Kindern – aber nein nicht alle Elternteile machen sich so viele Gedanken über die Situation ihres Kindes wie es wünschenswert wäre. Und das zu sehen ist als Pädagogin auch hart.

Wenn ein Kind 10 Stunden im Kindergarten verbringt – 5 mal die Woche – und dann wird es geholt und will nicht mit nach hause, schreit, schiebt einen Anfall und der Elternteil (nicht berufstätig übrigens) lässt alles über sich ergehen und startet mit den üblichen: „Aber wir gehen jetzt eh einkaufen und du kannst dir was aussuchen.“ dann frage ich mich wirklich ob wir als Bildungseinrichtung oder doch eher als Aufbewahrungsanstalt gesehen werden.

So ist das also auf der anderen Seite der Tür…

Auf einer meiner Suchen nach spannenden Artikeln bin ich über folgenden Blogartikel gestolpert:

Morgens im Kindergarten – Bullshitbingo

Ich versuche mich immer möglichst rauszuhalten aus dem Geschehen in der Garderobe aber ich muss sagen, dass es bei uns nur wenige Kinder gibt bei denen sich die Ankunftszeit wie im Blog beschrieben abspielt. So drei/vier fallen mir da adhoc ein. Was mir allerdings auffällt (ganz besonders zwischen September und Dezember) sind die Eltern die sich nicht lösen können/wollen. Vermutlich fällt mir das mehr auf, weil ich es nicht so sehr verstehe und ein kleines bisschen amüsant finde 🙂

Da wäre mein Bullshitbingo folgendes:

bullshitbingo

Vielleicht kommt das auch jemandem bekannt vor 😀

Eltern habens auch nicht immer leicht

War eine Aussage meiner Kollegin, als ich mich wieder einmal über etwas ärgerlich geäußert habe.

Nach ihrer kurzen Erklärung bleibt mir leider nichts anderes übrig als ihr recht zu geben…

Dabei geht es um folgendes:

Manche Eltern kommen gerne sehr knapp. Sehr, sehr knapp…und unsere Bildungszeit dauert auch nicht sehr lang – Und nachdem ich den Kindern auch sehr viele Raum zum freien Spiel lassen möchte, kann das schonmal alles sehr eng werden. Wenn dann auch noch Eltern nach der vereinbarten Bringzeit kommen, kann mich das schon zur Weißglut treiben (vor allem weil es auch genug Eltern gibt die meinen es wäre kein Problem wenn sie hin und wiede zu spät kämen; dass wenn alle so denken es keinen einzigen Tag gibt an dem wir alle Kinder pünktlich in der Gruppe haben, an das denkt niemand). Das ist der eine Teil bei dem ich oft mit Eltern diskutiere. Ein zweiter ist, das abholen – da gibts zu früh, also noch beim Mittagessen oder kurz danach wenn wir zusammen sitzen und über das Nachmittagsprogramm sprechen, oder zu spät, zum Beispiel mitten in der Jause wenn davor ausgemacht ist und die Kinder dann etwas verloren herumstehen weil mit jausnen wollen sie auch nicht. Oder wenn der Kindergarten genau um die Uhrzeit schon schließt.  Dann gibt es auch noch Eltern die ihre Kinder an vielen Tagen aus spannenden Gründen zu hause lassen: zu lange geschlafen, will heute nicht, Oma kommt am Nachmittag zu Besuch (so wurde mir das wirklich gesagt).

Jetzt sind meine Wünsche wenn ich mir das so anschaue: Nicht zu spät bringen aber auch nicht zu früh, weil wenn wer vor den Öffnungszeiten schon vor der Tür steht und ich noch etwas zu erledigen habe will ich auch nicht aufmachen – nicht zu lange lassen aber auch nicht überhaupt nicht bringen…

Ja. Eltern habens auch manchmal schwer – und ich darf mich nicht darüber aufregen wenn eine Bezugsperson nicht für alle 25 anderen mitdenkt. Das erkläre ich dann schon 🙂

Elternmund_zu spät