Wieder Freund?

Einer meiner Lieblingssätze.

Für Kinder muss es nämlich gar keinen Anlass geben „wieder Freund“ zu sein. Oft beneide ich Kinder um diese Fähigkeit des bedingungslosen verzeihens und vergessens. Im Erwachsenenleben passiert es oft genug, dass einem eine Aktion am Morgen schon den Tag vermiesen kann. Eltern die ruppige Anmerkungen zu Aktivitäten der letzten Tage haben, KollegInnen die schlecht gelaunt in den Dienst kommen oder der Krankenstand einer anderen Kollegin der einem unerwartet den Spätdienst einbringt – alles potenzielle Tag – vermiesungs – momente.

Gerade in der Arbeit mit Kindern müssen wir uns aber immer so weit im Griff haben, dass sich die Laune nicht auf die Kommunikation und Interaktion mit den jungen Menschen auswirkt. Leider haben wir auch oft nicht die Möglichkeit einfach mal rauszugehen, tief durch zu atmen und mit frischer Energie zu starten.

Deshalb beneide ich Kinder um diese Momente in denen sie einfach für sich beschließen was vor 5 Sekunden, vor wenigen Minuten oder vielleicht auch gestern passiert ist, ist mir egal. Viel wichtiger ist es mir wieder Freund zu sein.

Das Zeremionell dazu läuft in meiner Beobachtung immer gleich ab: Ein Kind lässt von seiner Tätigkeit ab – geht zum betroffenen anderen Kind – spricht die magischen Worte: Wieder Freund? – und das andere Kind akzeptiert, danach gehen beide entweder wieder ihrer vorigen Tätigkeit nach oder spielen gemeinsam. Ich habe wirklich noch nie erlebt, dass die Anfrage abgelehnt wurde. Und das ist vermutlich auch eines der Geheimnisse: Die Kinder brauchen auch keine Angst vor Ablehnung haben. Die gibts in dem Fall einfach nicht.

Vielleicht schaffen wir es im stressigen Alltag uns ein Beispiel an den Kindern zu nehmen – und wenn Sie so eine Anfrage bekommen, nicht vergessen: Diese Frage muss mit JA! beantwortet werden!

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Was wir im Umgang miteinander von Kindern lernen können

Kinder sind zwar genauso ein Produkt ihrer Umwelt wie wir – es gibt jedoch einige Aspekte die bei Kindern noch nicht so ausgeprägt sind wie später bei vielen Erwachsenen.

Die meisten Kinder die ich kennenlernen durfte sind grundsätzlich ehrlich wenn sie dir etwas mitteilen und sie sprechen immer in erster Linie von sich.

Dinge die wir uns später in diversen Kommunikationsseminaren mühsam anlernen müssen könnten wir uns also einfach von ihnen abschauen. Stattdessen freuen wir uns über ehrlichen Kindermund – sind aber von ehrlichen Aussagen anderer Erwachsener alles andere als amüsiert. Meistens eher entrüstet.

Ich genieße die Ehrlichkeit der Kinder und wünsche mir so viel mehr davon von Kolleginnen, Eltern und Menschen in Leitungsfunktionen. Es ist einfacher die Bedürfnisse anderer zu verstehen und zu akzeptieren wenn uns auch die Gründe dahinter offenbart werden. Erst kürzlich bin ich mit einer Mutter aneinander geraten weil sie von uns verlangt hat ihr Kind für den Garten umzuziehen. Ist ja theoretisch bei einem Kind kein Problem – fangen aber alle damit an, brauchen wir gar nicht mehr in den Garten gehen weil wir dann nicht fertig werden damit alle gartengerecht anzuziehen. Im Gespräch hat mir die Mutter sehr persönliche, dahinterliegende Gründe offenbart und ich war nicht nur besänftigt sondern habe mich gleichzeitig wertgeschätzt gefühlt ob des Vertrauens das sie mir entgegen gebracht hat. Gleichzeitig konnte ich ihr mitteilen, dass meine große Sorge bei Ausnahmen immer ist, dass es alle so handhaben möchten und ich deswegen oft etwas schroff reagiere.

Solche Möglichkeiten bieten sich uns täglich und anstatt sich übereinander zu ärgern könnten wir uns einfach ein Beispiel an den Kindern nehmen. Wenn die nämlich das Gefühl haben etwas geht unfair zu dann sprechen sie das an.

Der Krampus

Kinder können ganz schön grausam sein.

Sagt ein 4jähriger zu einem 3jährigen: „Ja und wenn du das weiter so machst holt dich der Krampus.“

Das jüngere Kind beginnt zu weinen und wird von mir getröstet. Ich erkläre ihm das hinter allen Krampusmasken Menschen stecken und wenn einer in unsere Gruppe will, dass ich ihn auf keinen Fall herein lassen würde.

Die ganze Situation will ich dann noch mit einer Geschichte aus meiner Kindheit auflockern und erzähle, dass auch meine Mama mich einmal vor einem Krampus beschützt hat indem sie ihn einfach rausgeschmissen hat.

Eine Freundin geht zum Kind, dass die Geschichte angestoßen hat um zu erzählen, dass meine Mama den Krampus nie herein lassen würde. Woraufhin das größere Kind sagt: „Dann prackt der Krampus der Mama von der Anni auch einfach den Popo aus!“

Wo ist unsere Weihnachtsstimmung!?

Einblick in den Kindergartenalltag ist schwer zu erlangen – ich kann mir vorstellen, dass uns die Eltern gerade in freudiger Erwartung auf die Adventfeier erleben. Ein wenig unter Zeitdruck zwar, aber nicht wirklich gestresst.

Hmmm… stimmt so nicht ganz. Der November war geprägt von Terminen die ruhige Tage unmöglich gemacht haben. Da waren Tage für Externe Angebote von Infos über Ohren bis zu Puppentheatern (bei deren Einteilung wir kein Mitspracherecht hatten) natürlich Geburtstagsfeste, Personalknappheit und der ganz normale Wahnsinn der ansteht wenn neue MitarbeiterInnen einzuschulen sind.

Heute ist der erste Dezember und ich nehme mir für unsere Gruppe ganz fest vor, dass wir uns nicht mehr stressen lassen – her mit unserer Weihnachtsruhe!

Zu meinem Glück hab ich unsere Schatzkiste die schon alle kreativ Arbeiten frühzeitig erledigt hat und ich mich jetzt wirklich entspannt dem lauten, falschen aber begeisterten Gesang und den schönen Weihnachtsgeschichten widmen kann.

Ich wünsche euch allen die Möglichkeit auch eine ruhige stimmungsvolle Adventszeit zu genießen und hoffe ihr könnt die dann auch weitergeben.

Wenn du einen Bewegungsdrang hast…

…dann geh bitte in die Außenspielfläche.

Ist mein Standardsatz wenn Kinder in der Gruppe zu laufen beginnen. Leider ist es mit meinem Sicherheitsempfinden absolut nicht vereinbar die Kinder auf so engem Raum wie es ein Gruppenraum in den meisten Fällen ist, dass sich die Kinder richtig austoben können. Trotzdem versuchen wir viel Raum zu schaffen. Dazu zählt, dass die Kinder immer die Möglichkeit haben in kleineren Gruppen hinaus zu gehen und dass wir versuchen den Bewegungsraum so oft wie möglich zu nutzen.

Immer wieder lese ich, dass Kinder nicht mehr rückwärts gehen und balancieren können – das musste ich glücklicherweise bei unserer bewegungsfreudigen wilden Horde (absolut lieb gemeint ;)) noch nicht beobachten – was wir allerdings sehen ist, dass wir sehr viel an der Ausdauer arbeiten müssen wenn die Kinder frisch zu uns kommen.

Sowohl beim konzentrierten Arbeiten als auch beim Bewegen geben die Kinder gefühlsmäßig immer früher auf. Durch viele Bewegungsangebote und durch das (wieder)entwickeln von Freude an Bewegung ergibt sich sowohl das eine als auch das andere. Allerdings wäre es wirklich wichtig, dass auch die Eltern mit ihren Kindern toben gehen und die Kinder Möglichkeiten bekommen sich auszupowern und ihre Grenzen kennen zu lernen. Da wäre vielleicht noch etwas mehr möglich als wir es hier im Kindergarten möglich machen können.

Jetzt freu ich mich schon richtig drauf gemeinsam mit den Kindern eine spannende Beweguungslandschaft aufzubauen.

Ich wünsche Ihnen allen einen spannenden, bewegungsreichen Tag!

So ist das im Kindergarten

Ich versuche durch Vorbildwirkung eine Atmosphäre zu erzeugen in der auch in Konfliktsituationen so reagiert werden kann, dass die Kinder gemeinsam zu einer Lösung kommen.

Heute war es wiedermal an der Zeit zu dem Thema etwas an einem Beispiel zu wiederholen. In Form eines Handpuppentheaters, mit zwei geliebten Figuren der Gruppe, wurde den Kindern vor Augen geführt wie es ist wenn Kommunikation nur mehr mit Vorwürfen, Namen schreien und generell nur laut vollzogen wird.

Die Kinder haben schnell erkannt wo die Schwierigkeit liegt und haben gemeinsam geübt klar auszusprechen was sie stört und was sie sich wünschen.

Ich durfte die Kinder im Schauspiel „sekkieren“ und wartete bis sie mich aufforderten, dass zu unterlassen. Danach haben wir besprochen, dass dazu aber auch ein zweiter Schritt gehört und zwar dass der andere dann auch wirklich aufhört.

Der dritte Schritt: Nämlich sich auszumachen was weiter passieren sollte, passierte bei den Kindern ganz automatisch. Teilweise spielten sie einfach gemeinsam weiter, teilweise suchten sie sich neue Beschäftigungen.

Und wie ich darauf gekommen bin darüber was zu schreiben:

Weil ich diesen Artikel gelesen habe und mich darüber geärgert habe wer da meint es wäre wie im Kindergarten – offensichtlich hat er noch nicht oft einen besucht

Der Gefühlsvulkan

Kinder spielen – Kinder lernen – Kinder streiten

Und in all dem sind sooo viele Gefühle versteckt. Manchmal nimmt da eines überhand und bricht aus.

Den Umgang mit solchen Ausbrüchen muss man sich in so einer großen Kindergruppe ziemlich gut ausmachen und natürlich auch vorleben (eher vorspielen – wirkliche Emotionsausbrüche sind vielleicht nicht sooo geeignet).

Daher habe ich vor einiger Zeit mit den Kindern folgendes gemacht:

Während eines Morgenkreises haben wir die unterschiedlichste Gefühle besprochen, die Kinder hatten auch meistens schon spannende Beispiele dazu und überlegt was wir tun können wenn bei jemandem ein Gefühl überhand nimmt. Aber auch wie andere Kinder das erkennen können und wie sie vielleicht helfen können.

 

Gestern durfte ich an einem Beispiel erleben wieviel davon hängen geblieben ist:

Moritz ist mitten im Morgenkreis aufgestanden und hat sich in der Garderobe auf die Bank gelegt. Für mich war das völlig unverständlich denn ich hatte nicht bemerkt das irgendetwas vorgefallen war. Ich verlies den Kreis, nach Absprache mit den anderen Kindern, um kurz nach Moritz zu sehen und fragte ihn was denn los sei. Seine Antwort: „Ich musste kurz raus weil der Jakob hat mich so wütend gemacht und ich wollte niemanden verletzen.“  – Was für eine bemerkenswerte Aktion für einen 5jährigen Menschen! Auf die Nachfrage ob ich etwas für ihn tun könne meinte er noch, dass er nur kurz ein wenig Ruhe bräuchte. Woraufhin ich ihn allein lies und zum Morgenkreis zurückkehrte. Das Thema das wir davor behandelt hatten war natürlich jetzt völlig uninteressant und alle Kinder erzählten Gefühlsgeschichten und haben davon vermutlich mehr mitgenommen als vom Kinderlied das ich davor mit ihnen gesungen hatte. Später stieß Moritz auch still und leise wieder zum Kreis dazu und wurde mit liebevollen Blicken und freundlichen „Alles wieder okay?“ empfangen.